Weniger Menschen und mehr Arbeit: Dass bei dieser simplen Gleichung die Arbeitsqualität eher sinkt, leuchtet ein. Außer im Justizressort offenbar. Trotz steigender Kriminalität bringt das Budget dort nicht mehr Staatsanwälte - obwohl die vorhandenen überlastet sind.

Es ist keine Jammerei wie bei anderen unkündbaren Beamten, etwa einem Teil der Lehrer. In Wien, wo ein überproportionaler Teil der Straftaten anfallen und vor allem die großen Verfahren laufen - Stichwort Bawag und Meinl -, sitzen manche Ankläger mittlerweile bis Mitternacht im Büro, um den Aktenrückstau irgendwie aufarbeiten zu können.

Dass dieser Rückstau wachsen wird, ist absehbar. Erstens ist die Kriminalität in Wien im ersten Quartal um acht Prozent gestiegen. Und zweitens wird es mehr Polizisten geben. Das bedeutet hoffentlich mehr Festnahmen. Nur: Ein Fall mit einem unbekannten Täter ist für den Staatsanwalt eine Sache von Minuten - das Verfahren wird eingestellt. Ist der Täter bekannt, dauert es länger. Und ist es vielleicht sogar eine Bande, sind schnell mehrere Arbeitstage weg.

Langsam steht in Wien die Gefahr im Raum, dass Massendelikte wie Diebstahl und Einbruch verjähren. Und Wirtschaftsmalversationen vielleicht nie aufgeklärt werden können, da Verdächtige genügend Zeit haben, ihre Spuren zu verwischen. Die Justizministerin muss das wissen. Zu argumentieren, es hätte noch viel schlimmer kommen können, ist da mutig. Auch wenn sie nicht allein Schuld trägt, wenn sich die Regierung mit simplen Gleichungen schwertut. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 23. April 2009)