Die internationale Geberkonferenz in Brüssel hat Somalia Hilfszahlungen von rund 163 Millionen Euro zugesagt. Mit dem Geld soll die prekäre Sicherheitslage verbessert werden.

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EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sprach von einem "vollen Erfolg": Die internationale Geberkonferenz hat am Donnerstag in Brüssel Zusagen von zumindest 213 Millionen Dollar (rund 163 Millionen Euro) für Somalia eingesammelt. 60 Millionen davon kommen von der EU. Mit dem Geld soll die Sicherheitslage in Somalia verbessert werden. Vor allem die Piraten werden für das ostafrikanische Land immer mehr zu einem Problem.

Der somalische Präsident Sheikh Sharif Ahmed bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe, um die Piraten am Horn von Afrika zu Wasser und zu Land bekämpfen zu können. "Wir bitten Sie um Unterstützung zur Stärkung unserer Küstenwache, damit sie gegen Piraten vorgehen kann" , sagte er. Doch noch wichtiger sei eine Stabilisierung der Lage in Somalia selbst.

Sharif Ahmed entschuldigte sich für die Piratenüberfälle vor der Küste seines Landes. Sie zeigten jedoch die Notwendigkeit der Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität in Somalia. "Die Piraterie ist ein Symptom des Mangels an Stabilität in meinem Land", erklärte der gemäßigte Islamist, der erst Ende Jänner als Präsident vereidigt wurde.

Indirekt machte er deutlich, dass der Einsatz von Kriegsschiffen aus der EU, den USA und weiteren Ländern gegen die Seeräuber nicht reichen werde: "Es ist unsere Pflicht, diese Kriminellen auf offener See zu bekämpfen, aber auch auf dem Festland." Mit dem Geld soll auch die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in Somalia finanziert werden.

"Zu früh für UNO-Truppe"

Bisher sind nur 4300 Mann der AU in Somalia tätig, geplant waren ursprünglich zumindest 8000.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der an der Geberkonferenz teilnahm, warnte, die AU-Truppe zu früh durch eine UN-Truppe zu ersetzen. "Eine UN-Einsatztruppe bleibt das Ziel der UNO, doch ein Einsatz unter den aktuellen Bedingungen könnte die Lage noch verschlimmern." Ban fürchtet, dass UNO-Truppen derzeit noch zu einer Radikalisierung beitragen könnten. Der UN-Sicherheitsrat hat im vergangenen Dezember einen Ersatz der AU-Truppen durch eine Mannschaft der UNO gefordert.

Nach Auffassung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kann der Kampf gegen die Piraterie nur durch eine Stabilisierung des afrikanischen Landes gewonnen werden. "Wenn wir nur die Symptome behandeln - die Piraterie -, aber nicht deren Ursachen, nämlich den Verfall eines Staates und die dort herrschende Armut, werden wir scheitern" , erklärte Barroso. (Michael Moravec aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 24.4.2009)