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Der Körperschmuck kann Komplikationen wie Schwellungen, Infektionen oder Allergien mit sich bringen

Foto: REUTERS/Vivek Prakash

Wien - Wer tätowiert oder pierct, hat sich in Österreich an bestimmte gesetzliche Bestimmungen zu halten - nicht zuletzt, da damit auch gesundheitliche Risiken verbunden sind. Denn nicht selten bringt der Körperschmuck Komplikationen wie Entzündungen, Schwellungen oder Allergien mit sich. Das Testmagazin "Konsument" hat insgesamt 15 zufällig ausgewählte Wiener Tattoo- und Piercing-Studios daraufhin geprüft, ob die gesetzlich vorgeschriebene Beratungs- und Aufklärungspflicht sowie die hygienischen Maßnahmen eingehalten werden.

"Das Ergebnis geht unter die Haut: Es ist ernüchternd und bedenklich, dass rund die Hälfte der getesteten Studios 'weniger' oder 'nicht zufriedenstellend' abschneidet, sagt Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). "Häufig mangelt es bei der Aufklärung über Komplikationen und Kontraindikationen", betont "Konsument"-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp. Auch beim Hygieneverständnis ortet Klepp Verbesserungsbedarf.

Ernüchternde Beratung

Komplikationen wie Schwellungen, Blutungen, Infektionen, Allergien oder Ausrisse wurden bei der Beratung nicht ausreichend erwähnt. Ernüchternd ist auch das Ergebnis bei der Aufklärung über Kontraindikationen: Patienten, deren Immunsystem beeinträchtigt ist (z.B. HIV), die unter Hepatitis, Blutgerinnungsstörungen, Geschlechtskrankheiten oder bekannten Allergien (z.B. Nickel) leiden sowie Diabetiker dürfen nicht tätowiert oder gepierct werden. Lediglich für vier Studios war das ein Thema. Laut Gesetz sind Tätowierer und Piercer aber nicht nur verpflichtet, über Kontraindikationen aufzuklären, er muss sich diese Aufklärung zudem schriftlich vom Kunden bestätigen lassen. Das geschah bei den Tattoostudios in keinem einzigen Fall.

Gute Aufklärung über Nachbehandlung

Recht umfangreich war hingegen die Aufklärung über die Nachbehandlung. Insgesamt war die Beratungsdauer - die erhoben, aber nicht bewertet wurde - beim Piercen mit zwei bis zehn Minuten aber erschreckend kurz. Etwas umfangreicher fiel sie bei der Tattoo-Beratung aus.

Noch Verbesserungsbedarf bei Hygiene

Bei der Hygiene wurde beurteilt, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen in den Betriebsräumen und in den Eingriffsräumen (Tattoo) eingehalten wurden. Hier gibt es neunmal ein "sehr gut", dreimal ein "gut". Die vorgeschriebene Verwendung von Einmalhandschuhen erfolgte bis auf eine Ausnahme immer, an die vorgeschriebene Kopfbedeckung hielt sich aber niemand.

Altersbestimmung bei Tatoos und Piercings

Beim Piercen von mündigen minderjährigen Personen (14 bis 18 Jahre) ist laut Gesetz eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten notwendig, wenn die Wundheilung der gepiercten Körperstelle länger als 24 Tage dauert. Im Fall eines Nabelpiercings kann dies zwischen vier Wochen und neun Monaten dauern. Hier sei ebenfalls Handlungsbedarf gegeben, betont Klepp: "Es ist äußerst bedenklich und unverantwortlich, dass sich die Mehrheit nicht einmal nach dem Alter erkundigt hat - noch dazu bei einem Eingriff, der durchaus Komplikationen mit sich bringen kann." (red, derStandard.at)