Bern/Kloten - Die österreichische Nationalmannschaft ist seit Mittwoch in der Eishockey-Hauptstadt Europas zu Gast. Das ÖEHV-Team bestreitet bei der WM (24. April bis 10. Mai) in der Schweiz in der Gruppe C die Spiele in Bern, das seit acht Jahren europäischer Zuschauer-Krösus mit NHL-Ausmaß ist. In der abgelaufenen Saison übertraf der SC Bern mit durchschnittlich 16.172 Zuschauern erstmals auch die 16.000er-Marke. In der PostFinance-Arena werden die Spiele der Gruppe B und C ausgetragen, die Gruppen A und D gastieren in Kloten bei Zürich.

2.000 Stehplätze

Die Spiele von Vanek und Co. werden allerdings nicht so viele Fans miterleben können. Denn die in der Nationalliga für 17.131 Zuschauer zugelassene Halle wird bei der WM eine Kapazität von nur 11.421 haben, weil für das Turnier temporär umgebaut. Um die internationalen Standards zu erfüllen, wurden auf der imposanten Stehrampe, die bis zu 10.000 Fans fasst, Sitzplätze eingebaut. Trotz Kritik des internationalen Verbandes wird auf die Schweizer Stehplatz-Tradition aber nicht ganz verzichtet, rund 2.000 Stehplätze stehen zur Verfügung.

140 Meter bis zur Kabine

In die 1967 erbaute Halle wurden für eine umfassende Modernisierung 108 Millionen Franken (71,5 Mio. Euro) investiert. Unter anderem wurde eine unterirdische Trainingshalle errichtet. Rund 1,5 Mio. Franken (992.457 Euro) wurden zusätzlich vor allem für den Umbau der Katakomben ausgegeben. Nur Gastgeber Schweiz und Weltmeister Russland erhalten eine der zwei großen Garderoben. Die restlichen sechs Teams, darunter auch Österreich, müssen in Provisorien in der unterirdischen Zivilschutzanlage ausweichen. Und so werden beispielsweise die Franzosen 140 Meter zurücklegen müssen, um auf das Eis zu gelangen. Wegen der langen Wege dauern die Drittelpausen in Bern 17 statt 15 Minuten.

Zehn Monate, nachdem die Stadt bei der EURO 2008 von einer "orangen Welle" niederländischer Fußball-Fans überrollt worden war, versucht Bern erneut, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Unter dem Motto "Bern wirkt Wunder" ist die selbe Organisation mit den selben Leuten an der Spitze für das Rahmenprogramm, den Verkehr und die Gästebetreuung zuständig.

Den erwarteten 200.000 Besuchern soll etwas geboten werden, allerdings zwei Nummern kleiner als zur EM. Zusätzlich zu den Aktivitäten in der Fanzone beim Stadion findet am ersten Wochenende auf dem Bundesplatz ein zweitägiges WM-Eröffnungsfest statt. Am Sonntag gibt es Public Viewing, wird die Partie zwischen der Schweiz und Deutschland auf Großbildleinwand übertragen.

Bern ist der Hauptspielort, ab dem Viertelfinale finden alle Spiele in der PostFinance-Arena statt. In Kloten geht es etwas ruhiger zu. Die Großgemeinde hat 18.000 Einwohner, beherbergt den EHC Kloten, - in den 90er Jahren viermal in Serie Meister und seit 1962 und damit am längsten aller Clubs ständiges Mitglied der Nationalliga A. Während der WM hat die Kloten-Arena Platz für 6.851 Zuschauer. Vizeweltmeister Kanada wählte als Bleibe die Flyers-Garderobe, der WM-Dritte Finnland wird sich in der Gästekabine einquartieren. Die anderen Mannschaften teilen sich die übrigen Räume und Container der Arena.

Bekannt ist Kloten, in den 50er Jahren noch ein richtiges Dorf, durch den internationalen Flughafen des 12 km entfernten Zürich. 2008 wurden auf dem Unique-Airport, der die meisten der 10.000 Arbeitsplätze der Stadt bietet, fast 22,1 Millionen Passagiere abgefertigt. Die drei Hotels in der Stadt sind seit Wochen ausgebucht. (APA/Si)