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Ein Taser verursacht beim Getroffenen eine unwillkürliche Lähmung der Skelettmuskeln, womit dieser für kurze Zeit bewegungsfähig wird. Der Taser funktioniert mit 0,5 Milliampere elektrischem Strom. Strom gilt für den Menschen ab 10 Milliampere über mehr als zwei Sekunden als gefährlich.

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Gesundheitsbedenken versucht man mit Vorschriften zu entkräften - die sind aber teils etwas wirklichkeitsfremd. 

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Wien - "Elektronisches Kontroll-Gerät" hört sich eigentlich recht harmlos an. Dass ihr Produkt potentiell tödlich ist, schreibt die US-Firma Taser auf ihrer Homepage über den "X 26" nicht. Wie gut sich Menschen mit dem Gerät kontrollieren lassen, kann ab Juni wieder in Österreichs Gefängnissen getestet werden: Justizministerin Claudia Bandion-Ortner erlaubt den Justizwachebeamten den Einsatz der Waffen wieder.

Im Februar 2008 hatte Bandion-Ortners Vorgängerin Maria Berger (SPÖ) den Feldversuch mit den Tasern gestoppt, nachdem ein Bericht eines UN-Komitees das Gerät kritisiert hatte. "Die Verwendung des Taser X26, der extreme Schmerzen verursachen kann, sind eine Form von Folter und können in bestimmten Fällen zum Tod führen, wie in mehreren glaubwürdigen Studien gezeigt worden ist", urteilte das UN-Komitee gegen Folter Ende November 2007.

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International steht dem Taser äußerst skeptisch gegenüber. Im vergangenen Dezember veröffentlichte die NGO ihre Statistik, wonach in den USA zwischen 2001 und Sommer 2008 334 Menschen nach einem Taser-Einsatz gestorben sind. Bei 50 Fällen haben demnach Leichenbeschauer festgestellt, dass die Elektroschocks die Todesfälle verursacht oder zumindest ursächlich zum Tod beigetragen hätten.

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag, bei der die Wiedereinführung präsentiert worden ist, wurde auf Todesfälle im Ausland nicht eingegangen. Man versicherte allerdings, dass der Einsatz an strenge Rahmenbedingungen gebunden sei. So muss etwa in einem Krisenfall der Anstaltsleiter den Einsatz genehmigen und nur ausgebildete Beamte dürfen abdrücken.

Im Detail muten die Regeln dann aber teilweise etwas wirklichkeitsfremd an. Etwa wenn zur Vermeidung allfälliger Sturzverletzungen (der größte Teil der Verletzungen) das Umfallen nach Möglichkeit abgemildert werden soll - "zum Beispiel durch Auffangen oder Zuschieben einer Matratze". Oder der Punkt, dass das Gerät gegen Berauschte nur eingeschränkt eingesetzt werden darf - im Akutfall wird man diese Beeinträchtigung kaum feststellen können, gesteht man ein.

Zwölf Einsätze in drei Jahren

Besonders locker sitzt der Taser bei den heimischen Beamten allerdings nicht. Beim ersten Test zwischen November 2004 und Februar 2008 wurde das Gerät 209 Mal ausgepackt, 19 Mal wurde sein Einsatz angedroht und zwölf Mal tatsächlich abgedrückt. Diese Fälle habe man sich im Detail angesehen. Einmal gab es keinerlei Folgen, in acht Fällen sei es zu minimalen oberflächlichen äußeren Verletzungen gekommen, einmal wurde eine Prellung verzeichnet und zwei Mal zogen sich Häftlinge leichte Kopfverletzungen zu, rechnet man im Justizressort vor.

Für Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich, besteht dennoch die Gefahr, dass der Taser als Disziplinierungsinstrument eingesetzt wird. "Aus unserer Sicht kann er nur statt einer Schusswaffe eingesetzt werden und nicht als gelinderes Mittel", meint er. Im Justizministerium versucht man diese Befürchtung zu entkräften, indem die Taser mit einer Videokamera ausgestattet wurden, die filmen, sobald die Waffe aktiviert wird. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 24. April 2009)