Wien - Tag drei nach der Einigung mit der Lehrergewerkschaft war jener Tag, an dem Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) quasi die Nebenwirkungen dieser Übereinkunft auf die Schüler - vier bzw. fünf zusätzliche Schultage (je nachdem, ob Pflicht- oder weiterführende Schule) durch den Wegfall der schulautonomen Tage - lindern wollte. Standen die Zeichen doch auch an dieser Konfliktfront auf Sturm beziehungsweise Streik.
Zusätzlich erhitzt hatte die Gemüter eine Klagsdrohung des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (Bifie) gegen die ÖVP-nahe Schülerunion, deren Mitglied Nico Marchetti zum Boykott der Pisa-Studie aufgerufen hatte. Er amtiert derzeit als Bundesschulsprecher.

Zwei Tage sind drei zu wenig

Aber so wie mit den Lehrern trennte man sich im Palais Starhemberg auch am Donnerstag gütlich. "Der Pisa-Boykott ist beendet" , sagte der Obmann der Schülerunion, Matthias Hansy, am Nachmittag im Gespräch mit dem Standard. Grund für den Rückzieher sei der "Etappenerfolg" , der Schmied abgetrotzt werden konnte. Von den fünf neuen Schultagen sind seit Donnerstag nur noch drei übrig. Darum habe sich die Schülerunion "bereiterklärt, den Pisa-Boykott zurückzunehmen" . Zumal Schmied zugesagt habe, auf das weisungsgebundene Bifie einzuwirken, die Klagsdrohung zurückzuziehen. Viel "Einwirken" war da nicht nötig, erklärte Günter Haider dem Standard (Interview unten).

Zwei der fangfrischen Schultage - die "Zwickel-Tage" nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam - werden ab dem Schuljahr 2010/11 zu "freiwilligen Fördertagen" , sagte Schmied. Die anderen drei Tage werden vereinbarungsgemäß normale Schultage, die die Bundesschülervertretung aber mit eigenen Vorschlägen mitgestalten darf.

Darauf habe sie sich mit Schüler- und Elternvertretern sowie regierungsintern mit den Klubchefs und Bildungssprechern von SPÖ und ÖVP geeinigt, sagte Schmied.
Die Lehrer sollen an diesen beiden freiwilligen Fördertagen in den Schulen für die Kinder, deren Eltern das für sie wollen, "individuellen Förderunterricht oder andere schulautonome Aktivitäten mit den Schülern" anbieten.

Wenn die Eltern mit ihren Kindern lieber privat etwas machen wollen, dürfen sie das mit dieser Regelung. Es gebe damit "für arbeitende Eltern kein Betreuungsproblem und für Familien, die einen Kurzurlaub machen, kein Hindernis" , hieß es im Ministerium.

Die Schülervertreter wollen aber noch etwas berücksichtigt wissen: jene drei Schultage, die vor der nächtlichen Einigung im Lehrerstreit noch Ferien waren. "Die holen wir uns auch noch zurück" , sagte Schülerunion-Chef Hansy. Die für heute, Freitag, angekündigte Demo vor dem Parlament werde stattfinden: "Es handelt sich um eine Ferien-Demonstration."

Auch Bundesschülervertretung, Aktion Kritischer Schüler, Sozialistische Jugend, "Revolution" und Liga der Sozialistischen Revolution wollen heute protestieren.
Schon am Donnerstag protestierte ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon gegen Schmieds Version, der Tagesdeal sei mit ihm abgesprochen: vorbesprochen ja, endbesprochen nein, wiewohl die Zweckwidmung der ehemals schulautonomen Tage in Ordnung gehe.

Der Satz "So kann und wird das nicht funktionieren" ausgerechnet aus dem Mund des Sprechers der Arge Lehrer, Pflichtschullehrerchef Walter Riegler, der auf "klassischen Unterricht" beharrt, könnte bei Schmied aber den Eindruck erweckt haben, in einer Wiederholungsschleife gefangen zu sein. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 24. April 2009)