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Die Anzahl der von Anbeginn der Erkrankung auf Insulin angewiesenen Typ-1-Diabetiker - etwa 15 Prozent der Zuckerkranken - ist wegen der genetischen Ursache nicht zu beeinflussen

Foto: APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Basel - Wortgewaltige Warnung von Experten vor den Konsequenzen der weltweit rasant steigenden Zahl an Zuckerkranken: "Dieser Diabetes-'Tsunami' stellt eine Gefahr für die Gesundheit dar, die jener durch den Klimawandel für unseren Planeten entspricht", erklärte am Mittwoch der Vizepräsident der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF), Sir Michael Hirst, bei einem von Bayer Healthcare organisierten Medienseminar in Basel in der Schweiz. Die besorgniserregenden Daten: Im Jahr 2007 gab es weltweit 246,4 Millionen Zuckerkranke. Im Jahr 2025 werden es laut den Berechnungen 380,4 Millionen sein. In der EU wird die Zahl der Patienten von 31,3 auf 35,1 Millionen steigen.

Alle fünf Sekunden ein Patient mehr

Hirst: "Alle fünf Sekunden wird auf der Erde bei einem Menschen die für ihn neue Diagnose auf Diabetes gestellt. Alle zehn Sekunden stirbt ein Erkrankter an den Komplikationen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen etc., Anm.). Alle 30 Sekunden wird bei einem Diabetiker eine Amputation (vor allem an den Beinen, Anm.) vorgenommen."

Typ-2-Diabetes durch schlechten Lebensstil

Während die Anzahl der von Anbeginn der Erkrankung auf Insulin angewiesenen Typ-1-Diabetiker - etwa 15 Prozent der Zuckerkranken - wegen der genetischen Ursache des Leidens nicht zu beeinflussen ist, lassen vor allem Übergewicht, sitzende Lebensweise und falsche Ernährung den angesprochen "Tsunami" wegen der dadurch vermehrt hervorgerufenen Diabetes-Erkrankungen vom Typ-2 (ehemals "Altersdiabetes" oder nicht-insulinabhängiger Diabetes) in die Höhe schnellen. Diese zunächst zumeist symptomlos verlaufende Erkrankungsform ist aber besonders gefährlich. 85 Prozent der Diabetiker gehören zu dieser Gruppe.

Späte Diagnosen und mangelnde Prävention

Mangelnde Prävention mit der Propagierung eines gesunden Lebensstils, zu späte Diagnose des Typ-2-Diabetes, wenn oft bereits Spätkomplikationen (Augen-, Gefäß-, Nerven- und Nierenschäden) aufgetreten sind, und oft mangelnde Blutzuckerkontrolle lassen die Kosten für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft drastisch steigen. Hirst: "Diabetes ist eine der wichtigsten Gründe für Kosten, Mortalität, Invalidität und geringeres Wirtschaftswachstum. In Deutschland betrugen die Diabetes-Gesundheitskosten im Jahr 2007 39 Milliarden Dollar, in Europa 152,5 Milliarden Dollar." Dies könnte auch auf Milliarden-Kosten in Österreich hinweisen, wenn man - ganz roh - die deutschen Zahlen auf Österreich mit dem Faktor 10 umlegt. (APA/red)