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Da schau her: Die Kuh teilt mit dem Menschen immerhin rund 80 Prozent ihrer rund 22.000 Gene.

Foto: AP/Kerstin Joensson

Washington - Sechs Jahre lang hat es gedauert und insgesamt rund 53 Millionen US-Dollar gekostet. Doch nun ist sie endlich abgeschlossen, die Entschlüsselung des Erbguts der Kuh. Der Wiederkäuer ist damit auch das erste eines landwirtschaftlichen Nutztiers, dessen DNA sequenziert und analysiert wurde.

Dabei stieß das Forscherkonsortium auf einige Überraschungen. Die Kuh hat mindestens 22.000 Gene, die im Kuhgenom die Herstellung verschiedener Proteine regeln. Immerhin 14.345 dieser Gene sind bereits von anderen Säugetierarten bekannt. Vergleiche mit anderen Lebewesen zeigen zudem, dass Kühe enger mit dem Menschen als mit Mäusen und Ratten verwandt sind, schreibt das Team um Richard Gibbs vom Baylor College of Medicine in Texas im US-Fachjournal Science (Bd. 324, S. 522). Mit dem Menschen teilen sich Kühe immerhin rund 80 Prozent der Gene.

Die Forscher berichten außerdem, dass die Anordnung der menschlichen Chromosomen jener Kuh weit ähnlicher sei jener von Mäusen oder Ratten. Die Kuh hat 29 Chromosomen sowie die Geschlechtschromosomen. Die Wissenschafter hatten nur das weibliche X-Chromosom, nicht das Y-Chromosom analysiert.

Deutliche DNA-Umbildungen

Das Kuhgenom scheint sich seit der Abspaltung von den anderen Säugern deutlich umgebildet zu haben, berichten die Forscher. Es verfüge über auffallend viele Regionen mit Wiederholungen und Dopplungen, die auf vielfältige Anpassungen an die besondere Lebensform der Wiederkäuer hindeuten. Kühe gehören mit ihren vier Mägen zu den wenigen Lebewesen, die in der Lage sind, Gras zu verwerten.

Von der Analyse des Genoms erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Evolution der Säugetiere ebenso wie Fortschritte in der Fleisch- und Milchproduktion. Gibbs und seine Kollegen hoffen, dass die Besonderheiten im Genom der Kühe auch das Verständnis von Erkrankungen beim Menschen und deren möglicher Behandlung fördern. (APA, tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. April 2009)