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Ein Slum mitten in Europa: Eine der Flüchtlingshütten in Calais

Foto: Reuters/Moleux

Calais - Im nordfranzösischen Calais will die Regierung eine wilde Siedlung mit mehreren hundert illegal Einwanderten schließen, die über den Ärmelkanal nach Großbritannien wollen. Das "Dschungel" genannte Areal mit Zelten und Hütten unweit des Hafens werde "bald nicht mehr existieren", sagte Einwanderungsminister Eric Besson am Donnerstag bei einem Besuch in Calais.

Örtliche Firmenchefs hatten sich bei ihm zuvor über zunehmende gewalttätige Übergriffe beschwert. Die Stadt Calais verwies darauf, dass sich die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Wochen verdoppelt habe; zudem seien die hygienischen Zustände in den Behelfsunterkünften unannehmbar.

Rot-Kreuz-Lager Sangatte

In Abstimmung mit Großbritannien hatte Frankreich 2002 bei Calais das vom Roten Kreuz geführte Flüchtlingslager Sangatte geschlossen, in dem sich über einen Zeitraum von drei Jahren 68.000 Menschen aufgehalten hatten. Beide Länder vereinbarten dabei auch, Einwanderern die Einreise vom Kontinent nach Großbritannien durch schärfere Kontrollen zu erschweren. Doch in Calais versuchen Flüchtlinge bis heute, sich heimlich auf Lastwagen zu verstecken, um per Fähre nach Großbritannien zu gelangen. Hilfsorganisation schätzen deren Zahl derzeit auf 800, ein großer Teil kommt aus Afghanistan und dem Irak.

Laut Bessons Ministerium wird derzeit über "humanitäre Maßnahmen" für die Flüchtlinge nachgedacht, bis Anfang Mai soll es eine Lösung geben. Ausgeschlossen hat Besson die Schaffung eines neuen offiziellen Flüchtlingszentrums nach dem Vorbild von Sangatte. (APA)