Wien - Nach den unerquicklichen ÖBB-Aufsichtsratssitzungen am Mittwoch, in denen die Bilanzen von Personenverkehr und Rail Cargo Austria samt Millionen-Wertberichtigungen und Abschreibungen auf das Anlagevermögen (Wagenmaterial, Loks, Schnellzug Railjet) abgesegnet wurden, können sich die Eisenbahner wieder anstehenden Personalrochaden zuwenden. 

Nachbesetzung für Personalchef

Wenigstens eine davon ist auf Schiene und wird am 28. April im ÖBB-Holding-Aufsichtsrat fixiert: Die Nachbesetzung des mit Jahresende als ÖBB-Personalchef ausscheidenden Franz Nigl als Geschäftsführer der ÖBB-DienstleistungsgmbH (DLG). Den Personalchef für definitiv gestellte Eisenbahner (sind de facto unkündbar, aber keine pragmatisierten Beamte) soll ab Juni ein Beamter geben: Emmerich Bachmayer, Personalsektionschef im Kanzleramt. So man sich auf ein Gehalt einigt, denn ÖBB-Chef Peter Klugar will sparen und weit unter den 243.100 Euro Jahresgage bleiben, die Nigl im Jahr 2005 bezog; die 448.200 Euro, die der DLG-Chef 2006 (inkl. Prämie für zwei Jahre) bezog, stehen sowieso nicht zur Debatte. Bachmayer (61) lasse sich karenzieren und werde mit niedrigerer Gage das Auslangen finden, ist man im Verkehrsministerium überzeugt - zumal die DLG um die Personalagenden für rund 44.000 Eisenbahner erleichtert (sie wandern in die operativen ÖBB-Töchter) und zu einem auf Buchhaltung, Einkauf beschränktes Shared Services Center abgespeckt wird.

Job gesucht

Für Nigl, dessen Vertrag nur bis Jahresende verlängert wurde, wird dringend ein Job gesucht. Das jüngste Gerücht: Er soll Co-Geschäftsführer neben Bernhard Benes in der ÖBB-Traktion werden. Dort wird freilich ein Finanzchef gebraucht, kein Personalist.
Aussitzen oder aussetzen will man die überfällige Bestellung des Personenverkehr-Finanzchefs, bis ein Koalitions-Kandidat gefunden ist. Erneut verschoben wurde die Ziehung der Option auf die 17 letzten Railjet-Garnituren aus dem insgesamt 67 Züge umfassenden Paket von Siemens (kostet 816 Mio. Euro), das bis 2013 ausgeliefert wird. Das Problem: Die Personenverkehr AG kann sich die Züge nicht leisten. Da aus dem Konjunkturpaket keine Förderung kommt, wie erhofft, hat man mit Siemens ausgemacht, zuzuwarten - bis die 900-Mio.-Euro-Haftung im Budgetgesetz Kreditaufnahmen erlaubt.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2009)