Wien - Freude, sagt Direktor Alois Rosenberger, habe er natürlich keine damit, wenn seine Schüler demonstrieren statt zu lernen. Aber es handle sich dabei nun einmal um ein Menschenrecht - und was den Lehrern zugestanden werde, müsse auch für die Schüler gelten, sagt der Schulleiter des Francisco-Josephinums, einer BHS mit Landwirtschaftsschwerpunkt im niederösterreichischen Wieselburg.

Rosenberger hat ganz klare Regeln für jene Schüler ausgegeben, die sich heute, Freitag, von Wieselburg auf ins etwa 100 Kilometer entfernte Wien machen, um zu demonstrieren. Wer mit dem organisierten Bus mitreist, dem werden keine Fehlstunden eingetragen. Schüler der 9. Schulstufe müssen eine Bestätigung der Eltern mitbringen. Wer nach der Rückkunft um 15 Uhr noch regulären Unterricht hat, muss diesen besuchen.

Die Schüler demonstrieren, weil sie künftig länger zur Schule gehen sollen - im Zuge der Einigung zwischen Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und der Lehrergewerkschaft wurden die schulautonomen Tage gestrichen. Damit gibt es 2010 erstmals mehr Unterrichtstage als freie Tage (siehe Grafik).
Direktor Rosenberger ist mit derEinigung nicht zufrieden, ob des Handelns der Gewerkschaft fürchtet er "enormen Imageschaden für die Lehrer" . Die Schüler-Demo sieht er als "Folge des chaotischen Streits" . Mit Betragensnoten oder ähnlichen Konsequenzen müssen seine Schüler keinesfalls rechnen.
Andere Schulen handhaben das Problem etwas anders, vor allem, wenn es dabei um anonyme SMS-Streikaufrufe an Unterstufenschüler geht. Die Direktorin des Gymnasiums Haizingergasse in Wien, Renate Knaus, schickte aus diesem Grund eine E-Mail an alle Eltern, in der Hoffnung, dass diese "ihre Kinder zur Räson zu bringen" .

Streiken sei "kein Entschuldigungsgrund" , Fehlstunden blieben "unentschuldigt und können einen negativen Einfluss auf die Verhaltensnote haben" , heißt es da. Zum Standard sagte Knaus, sie wolle damit etwaigen Instrumentalisierungsvorwürfen vorbeugen: "Die Eltern sollen wissen, ich oder meine Lehrer veranlassen die Schüler nicht zum Streik." (hei, nim/DER STANDARD-Printausgabe, 24. April 2009)