Washington - Der Regierung von US-Präsident Barack Obama fehlen für den geplanten Ausbau des Einsatzes in Afghanistan die nötigen zivilen Fachkräfte. Die USA wollen daher für Aufgaben des Wiederaufbaus und der Entwicklungspolitik auf Reservisten der Streitkräfte zurückgreifen, wie Beamte des Verteidigungsministeriums erklärten. Pentagon-Sprecher Geoff Morell sagte am Donnerstag, man sei sich bewusst geworden, dass die für eine Aufstockung nötigen Fachkräfte anderweitig so kurzfristig nicht verfügbar seien.

Obama will in den kommenden Monaten zusätzlich rund 17.000 US-Soldaten und 4.000 Trainer für die afghanischen Streitkräfte in das Land am Hindukusch entsenden. Parallel dazu sollten auch die Bemühungen zum Wiederaufbau gestärkt werden. Dafür sollten Schätzungen zufolge etwa 500 bis 600 zusätzliche Spezialisten entsandt werden - von Landwirtschaftsexperten über Wirtschaftsfachleute bis hin zu Juristen.

Kritik von Hilfsorganisationen

Zusätzliche Fachkräfte sollen nun aus dem Heer der 850.000 Reservisten der US-Streitkräfte kommen, da sie aus ihrem zivilen Leben über entsprechende Berufserfahrung verfügen. Unklar war zunächst, ob sie eingezogen werden sollten. Wahrscheinlicher erschien, dass die Fachleute als Berater angeheuert und in zivil entsandt würden. Hilfsorganisationen in Afghanistan haben oft kritisiert, dass die Arbeit der Streitkräfte im Bereich des Wiederaufbaus die Grenzen verschwimmen lasse und sie selbst damit verstärkt zur Zielscheibe von Extremisten würden.

US-Generalstabschef Admiral Mike Mullen hatte bereits Anfang April an die NATO-Verbündeten appelliert, mehr zivile Fachkräfte für den Aufbau und die Zusammenarbeit mit den afghanischen Ministerien zu schicken. (APA/AP)