Live dabei heißt wirklich live dabei - derStandard.at auf der Demo.

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Die SPÖ-nahe Aktion kritischer SchülerInnen sowie die ÖVP-nahe Schülerunion riefen getrennt voneinander zum Streik auf.

Foto: apa/hochmuth

Großer Ansturm auf die U3. Viele SchülerInnen fuhren mit der U-Bahn zur Demo. 

Foto: sum

Die SchülerInnen zeigten heute eindrucksvoll vor, wie es geht, das Demonstrieren. 25.000 von ihnen drängten sich heute durch die Wiener Innenstadt und wehrten sich lautstark gegen die Streichung der schulautonomen Tage. Sie machten klar: "Nicht mit uns."

Insgesamt fünf Organisationen - die Schülerunion, die Aktion Kritischer Schüler,  die Sozialistische Jugend Österreich, "Revolution" sowie die  Liga der Sozialistischen Revolution - riefen zu Demonstrationen auf. Den Anfang machten SchülerInnen am Wiener Stephansplatz.

"Stolz auf Betragensnote"

Sie zogen von dort über die Wollzeile zum Gürtel bis sie auch auf die Demos vor dem Parlament trafen, wo die Schülerunion zum Protest aufgerufen hatte. Ihre Plakate sprachen Bände: "Ihr zerSchmiedet unsere Zukunft", "Wir wollen unsere Freizeit zurück" und "Wir wollen mitgestalten" stand auf den Transparenten. Immer wieder wurden Feuerwerkskörper gezündet, zur Musik von Attwenger und den Ärzten getanzt.

"Wir lassen uns diese freien Tage nicht einfach ungefragt wegnehmen", schimpfte eine Schülerin aus einer Wiener Hauptschule. Ihre Lehrer hätten kein Problem damit, dass sie heute nicht in der Schule ist. Die Stimmung sei "cool", meinten einige Mädchen. Sie waren extra aus Krems mit Bussen angereist, um zu demonstrieren. "Unser Direktor ist zwar dagegen, aber ein paar Lehrer haben auch gemeint, dass wir auf unsere Betragensnote stolz sein können, wenn wir denn eine bekommen", berichtete eine Schülerin derStandard.at. "Der Großteil unserer Schule ist heute hier unterwegs", nur einige wenige hätten den Unterricht der Demonstration vorgezogen, so eine Schülerin aus der Polytechnischen Schule Maiselgasse.

Andere kamen direkt mit ihrer Schultasche zur Demo. "Wir hatten jetzt noch einen wichtigen Test und konnten deshalb erst jetzt kommen", erzählte ein Schüler aus der HTL Ottakring. Er war voller Zuversicht, dass Unterrichtsministerin Schmied einlenken würde und die schulautonomen Tage doch nicht streicht: "Wir werden etwas bewirken, da bin ich mir sicher."

Polizei: "kleinere Störaktionen"

Der Streik der Schüler in der Wiener Innenstadt wurde gegen Mittag für beendet erklärt worden. Im Zuge der Demos gab es auch einige Sachschäden. Das Unterrichtsministerium wurde mit einigen Äpfeln beworfen, eine Glasscheibe ging zu Bruch. ie Polizei registrierte Sachbeschädigungen, wie etwa brennende Mistkübel. Während die Demonstranten Transparente mit Forderungen wie "weniger ist mehr - Freie Tage her" schwenkten, wurden auch immer wieder Feuerwerkskörper gezündet. Vereinzelte Protest-Teilnehmer erklommen unter Jubelrufen einige Dächer von Verkaufsständen des derzeit stattfindenden "Steffl-Kirtags".

Rund 16.000 Schüler haben auch in Oberösterreich gegen die Abschaffung der schulautonomen Tage protestiert. Die "Aktion Kritischer SchülerInnen" (AKS) hatte für Freitag zu einer Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen, zu dem Jugendliche aus dem gesamten Bundesland angereist kamen. Die Union Höherer Schüler (UHS) lud zu insgesamt 29 Schülerversammlungen in ganz Oberösterreich, wovon einige bereits am Donnerstag abgehalten worden waren und einige noch für Montag geplant sind.

Etwa 12.000 Schüler marschierten am Freitag im Protestzug der AKS vom Schillerpark auf den Hauptplatz, so die Schätzung der Polizei. Sie bescheinigte den Teilnehmern diszipliniertes Verhalten: "Die Demonstration verlief friedlich, aber immens laut", so Alexander Niederwimmer von der Linzer Polizei gegenüber der APA. In Dornbirn haben laut Polizei rund 3.000 Schüler aus allen Landesteilen friedlich demonstriert, in Innsbruck 2.500 Schüler. In der Stadt Salzburg gingen nach Angaben der Polizei zwischen 2.000 und 3.000 Schüler auf die Straße.

In St. Pölten sind am Freitag anlässlich des "Schülerstreiks" nur etwa 50 Mädchen und Burschen auf die Straße gegangen. Diese Zahl hat die Polizeidirektion zu Mittag auf Anfrage bestätigt.

Keine nennenswerten Demonstrationen gab es in Kärnten. Lediglich an zwei Schulen - in Spittal/Drau und in Völkermarkt - gab es kleinere Aktionen wie einen Sitzstreik. Die Kärntner Schülerunion hat die Schülerdemonstrationen ausdrücklich nicht unterstützt. Man setze auf Verhandlungen, hieß es dazu in einer Aussendung.

Die Teilnahme an Demonstrationen bedeutet ganz klar ein unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht. Aber: "Da wird man schon drüberschauen", sagt Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Grüne zeigen sich solidarisch

Die Grünen stellten sich an die Seite der Schüler: "Ich finde, dass Schüler genug arbeiten", meinte Bundessprecherin Eva Glawischnig im Gespräch mit der APA. Die geplante Änderung bei den "schulautonomen" Tagen sei das "zufällige Ergebnis eines völlig chaotischen Streits". (apa/red/derStandard.at, 24. April 2009)