Gery Keszler: "Heute ist Aids in die Jahre gekommen, die neue Generation nimmt die Gefahr nicht mehr so unmittelbar wahr"

Foto: Judith Wiltschnig

 In den 17 Jahren, die Keszler den Life Ball organisiert, hat sich nicht nur die Veranstaltung geändert, sondern auch das Publikum. "Die Aids Awareness war in meiner Generation natürlich viel größer. Damals sind unsere Freunde daran gestorben. Heute ist Aids in die Jahre gekommen, die neue Generation nimmt die Gefahr nicht mehr so unmittelbar wahr", sagte der Organisator. "Es wird daher auch immer schwieriger, die richtige Balance von Message und Unterhaltungsfaktor zu finden", so Keszler.

Im vergangenen Jahr waren laut dem Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit dem Immunschwächevirus infiziert. Allein im vergangenen Jahr kam es zu etwa 2,7 Millionen Neuinfektionen, davon rund 420.000 bei Kindern unter 15 Jahren. Täglich stecken sich weltweit 1.500 Kinder mit dem HI-Virus an. Besonders alarmierende Zahlen werden nach wie vor aus dem südlichen Afrika gemeldet, wo 70 Prozent aller weltweit Betroffenen leben. In manchen Gebieten sind über 30 Prozent aller 15- bis 29-Jährigen und mehr als ein Drittel aller schwangeren Frauen, die sich einer pränatalen Untersuchung unterziehen, HIV-positiv. Trotz der verbesserten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und den Bestrebungen, die Medikamente auch den Betroffenen in den Entwicklungsländern zugänglich zu machen, sind 2008 zwei Millionen Menschen an Aids gestorben.

Scheinheilig

Wie wichtig und aktuell die Botschaft des Balles ist, zeigte nicht zuletzt auch der Fall des ehemaligen Mitglieds der deutschen Mädchenband "No Angels", Nadja Benaissa. "Wenn man sieht wie all die Scheinheiligen über sie herfallen, bevor man überhaupt die Hintergründe kennt, kann man sich in etwa vorstellen, wie es einem Betroffenen geht, der auf einem Bergbauernhof lebt oder auf dem Bau arbeitet", sagte Keszler.

Der Organisator verwehrte sich auch gegen einzelne Angriffe, die das Spektakel mit der Causa Nadja in Verbindung bringen wollten. "Der Life Ball propagiert keinen Hedonismus: Im Gegenteil, der Life Ball steht dafür, dass jeder seine persönliche Sexualität ausleben kann - und zwar frei und ohne sich dabei eine immer noch unheilbare Krankheit einzufangen", so Keszler. Auch Aussagen, dass sich der Life Ball nach der Eröffnung quasi in eine Orgie verwandelt, seien völlig absurd. "Es passiert nicht mehr als auf irgendeiner anderen Party. Nur wird man bei uns noch auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Was die Besucher dann zu Hause machen, dafür kann man uns nicht verantwortlich machen", meinte der Organisator. (APA)