Köln - Die Deutsche Lufthansa rechnet wegen der schlechten Weltwirtschaftslage mit heftigen Turbulenzen im laufenden Jahr, hofft aber noch auf schwarze Zahlen. "Wir erwarten ein Ergebnis deutlich unter dem Vorjahr", sagte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber am Freitag bei der Hauptversammlung in Köln. Eine Prognose für 2009 wagte das Unternehmen nicht. Angepeilt sei jedoch auch im Krisenjahr ein positiver Abschluss, betonte Mayrhuber. Das Unternehmen sei gut aufgestellt und der Kranich ein zäher Vogel.

Da Dauer und Ausmaß der aktuellen Wirtschaftskrise nicht abzusehen seien, trete die Lufthansa derzeit ganz bewusst auf die Bremse, erklärte der Vorstandschef. In dem besonders schwer getroffenen Frachtgeschäft hat das Unternehmen bereits Kapazitäten reduziert und versucht, dem Ergebniseinbruch mit Kurzarbeit entgegenzuwirken.

Striktes Kostenmanagement

Für 2009 werde bei der Frachttochter Cargo ein operativer Verlust erwartet. Eine Ausweitung der Kurzarbeit hatte Mayrhuber bereits bei der Vorstellung der Jahresbilanz im März nicht ausgeschlossen. Insgesamt wolle der Konzern in allen Geschäftsfeldern auf ein "striktes Kostenmanagement" setzen, kündigte der Vorstandschef an.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa mit einem operativen Gewinn von 1,35 Mrd. Euro das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt. Es lag nur 1,7 Prozent unter dem des Rekordjahrs 2007. Das Konzernergebnis betrug 599 Mio. Euro nach 1,7 Mrd. Euro im Jahr zuvor. Wegen der eher düsteren Aussichten soll die Dividende nun allerdings von 1,25 Euro auf 70 Cent gekürzt werden.

Keine strategische Kehrtwende

Eine strategische Kehrtwendung angesichts der Krisenzeiten sei aber nicht notwendig, sagte Mayrhuber weiter. Die Stärkung ihres Airlineverbundes und ihrer Partnerschaften wolle Lufthansa weiter vorantreiben. "Zusammenschlüsse von Flugunternehmen sind volkswirtschaftlich und verkehrspolitisch die einzige Chance, um im Weltmarkt zu bestehen," sagte der Vorstandschef.

Weitere Zukäufe müssten allerdings wirtschaftlich sinnvoll sein und sie müssten passen. Mit geplanten Übernahme von Brussels Airlines und der österreichischen AUA sind laut Mayrhuber bereits wichtige Weichenstellungen im Konsolidierungsprozess vorgenommen worden. "Wenn alle Hürden erfolgreich genommen sind, werden wir unsere Position in und für Europa stärken können", erklärte er. Die Vorhaben müssen noch von der EU genehmigt werden.

Weichenstellung für Chefwechsel

Die Lufthansa hat außerdem mit der Berufung von Swiss-Chef Christoph Franz zum Konzernvize die Weichen für die Nachfolge von Mayrhuber gestellt. Der 48-jährige Franz übernimmt ab Juni auch die Leitung des bisher Mayrhuber unterstellten Passagiergeschäfts. Zugleich ordnete die Fluggesellschaft ihre Vorstandsressorts neu.

Die Integration und Zusammenarbeit künftiger Töchter soll künftig in einem eigenen Bereich gelenkt werden. Lufthansa plant nach der Integration von Swiss die Übernahme von Austrian Airlines (AUA), der britischen bmi und von Brussels Airlines.

Aufsichtsratschef Jürgen Weber lobte Franz als "ausgewiesenen Experten" und Kenner der Industrie, der sich mit seiner verbindlichen Art und einem offenen Führungsstil Vertrauen und Anerkennung bei seinen Mitarbeitern erworben habe. Er habe in vielen Leitungspositionen seine Führungs- und Managementqualitäten bewiesen - etwa bei der Sanierung der Swiss, die er vom Problemkind zu einer profitablen Airline gemacht habe. Mit der Berufung von Franz zum Vizechef setzt das Unternehmen auf ein altbewährtes Modell, um künftige Konzernlenker in ihre Aufgaben einzuarbeiten. Auch Mayrhuber war vor seiner Berufung als Lufthansa-Chef mehr als ein Jahr lang Stellvertreter.

Den Platz von Franz bei der Tochter Swiss soll ab Juli der jetzige Marketing- und Vertriebsvorstand Harry Hohmeister übernehmen. Dieser war auch als potenzieller AUA-Chef gehandelt worden.

Veränderungen für Tarifpartner

Auf Veränderungen müssen sich auch die Tarifpartner der Lufthansa einstellen. Die Tarifgespräche wird künftig nicht mehr Personalvorstand Stefan Lauer leiten. Er übernimmt stattdessen die Leitung des neuen Ressorts zur Integration der Tochterunternehmen und bleibt Arbeitsdirektor des Konzerns. Die Tarifpolitik im Passagiergeschäft steuert künftig der bisherige Lufthansa-Cargo-Personalchef Roland Busch. (APA/Reuters)