Nach Ende des Zweiten Weltkriegs lebten mehrere Millionen Menschen in Europa, die von den Nazis aus ihrer Heimat in KZs oder zur Zwangsarbeit verschleppt worden waren. Viele der Entwurzelten stammten aus Osteuropa, aus diversen Gründen wollten oder konnten sie nicht mehr an ihre früheren Wohnorte zurückkehren. Ein großer Teil der jüdischen Displaced Persons (DPs) wollte mithilfe der Flucht- und Rettungsorganisation Bricha nach Palästina auswandern, viele mussten in DP-Lagern - die sich nicht selten auf dem Gelände ehemaliger Konzentrationslager befanden - jahrelang ausharren. Eine der geheimen Fluchtrouten führte über Salzburg nach Saalfelden.

Im dortigen DP-Camp Givat Avoda, der heutigen Wallnerkaserne, gab es eine Art "Basislager" für die Überquerung der Krimmler Tauern. Von den etwa 200.000 ost- und zentraleuropäischen Juden, die sich 1945 in Österreich aufhielten, flüchteten im Sommer 1947 ca. 5000 in Gruppen von je 200 Personen über die Berge nach Südtirol, danach weiter nach Genua. Im Anschluss an ein zweitägiges Fachsymposium findet heute unter dem Titel Givat Avoda in Saalfelden - Zwischenstation nach Israel eine öffentliche Veranstaltung zum Thema statt. Mit den Historikern Thomas Alberich, Maria Ecker und Peter Linhuber, die über Gespräche mit dem Holocaust-Überlebenden und Tauern-Überschreiter Zwi Katz referieren sowie von den Lebensbedingungen der DPs in Saalfelden berichten. (dog, DER STANDARD/Printausgabe, 25./26.04.2009)