Rom - Praktisch machtlos muss Italien die Welle von Flüchtlingen bzw. Migranten über das Mittelmeer nach Sizilien und Lampedusa beobachten. Seit Jahresbeginn sind über 6.000 Menschen über das Meer nach Süditalien gelangt, das sind doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2008, teilte das italienische Innenministerium am Freitag mit. Dabei war im Jahr 2008 bereits ein Rekordhoch von 36.952 Migranten gemeldet worden, 2007 waren es 20.455 gewesen.

Die Massenlandungen, die früher auf die warme Jahreszeit beschränkt waren, finden jetzt auch im Winter und bei schlechten Wetterbedingungen statt. Die Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien ist das Landungsziel der meisten illegalen Migranten, doch die Schlepper wählen jetzt häufig auch den Weg nach Sardinien, um die Kontrollen der Küstenwache zu umgehen. Die Auffanglager in ganz Italien sind überfüllt, über 8.000 Migranten befinden sich in den verschieden Einrichtungen, berichteten italienische Medien.

Innenminister Roberto Maroni bestätigte, dass ab 15. Mai italienische Schiffe mit libyschem Personal die Küsten Libyens kontrollieren werden, um die Abfahrt von Migrantenbooten zu stoppen. "Wir erhoffen uns viel von der Zusammenarbeit mit Libyen", betonte der Innenminister.

Italien und Libyen hatten im August 2008 ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, in dem sich Rom verpflichtet, an Tripolis Entschädigungen für die Kolonialzeit in Höhe von 4,3 Milliarden Euro zu zahlen. Im Gegenzug hatte sich Libyen zu einer effizienteren Zusammenarbeit zur Bekämpfung der illegalen Immigration bereiterklärt. (APA)