In einigen Bundesländern können sich angehende Häuslbauer an die Behörde wenden. Die Beratung ist unabhängig und fast kostenlos.

Collage: STANDARD/Friesenbichler

Wie groß soll mein Haus werden? Welche Bauweise liegt im Rahmen der Bauvorschriften? Und welcher Grundriss würde mir wohl am ehesten entsprechen? Will man ein Haus bauen, kommt man um einige Fragen nicht umhin. Und weil die Planung mit Profis wie etwa mit Architekten immer noch die große Ausnahme ist, sind die Hauptinformanten des Häuslbauers - das bestätigte unlängst eine Studie - die anderen Häuslbauer. Dass neben wertvollen Erfahrungen auf diesem Weg oft auch Fehlinformationen weitergegeben werden, liegt auf der Hand.

Eine Möglichkeit, sich umfassend übers Bauen zu informieren, ist eine Beratung beim Baumeister oder bei anderen Professionisten. Doch wie objektiv sind diese Informationen zum Baustoffeinsatz, zu Möglichkeiten der Beheizung sowie zu Einsparungspotenzialen in Hinsicht auf die Baukosten denn wirklich? Schließlich sind Handwerker und Unternehmen darauf bedacht, ihr eigenes Produkt in Umlauf zu bringen.

Bauberatungsgespräch für 20 Euro

All das sind Gründe, die den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll bereits vor gut 25 Jahren dazu veranlassten, unter dem Titel "Niederösterreich gestalten" ein eigenes Service des Landes ins Leben zu rufen. Potenziellen Hausbauern bietet NÖ gestalten - so die Kurzform - ausführliche Beratung an, und zwar firmenunabhängig und nahezu kostenlos. "Für 20 Euro Unkostenbeitrag kann man ein Bauberatungsgespräch in Anspruch nehmen", informiert Peter Obleser, Leiter der von NÖ gestalten organisierten Gestaltungsakademie. Gemeinsam mit einem Team aus Bauexperten, Architekten und Ortsbildplanern will Obleser Hilfe zur Selbsthilfe anbieten: "Wir bemühen uns, vor allem bei den ersten Schritten behilflich zu sein."

In kostenlosen Seminaren der Gestaltungsakademie sowie in regelmäßig erscheinenden Broschüren werden angehende Hausbauer über sämtliche Bereiche des Bauens informiert. Von der rechtlichen Beratung über bautechnische Aspekte bis hin zu Fragen der Planung und Gestaltung werden möglichst viele Aspekte abgedeckt.

Ein fertiges Kochrezept sei jedenfalls nicht Sinn und Zweck der Sache, betont Obleser: "Wir möchten auf keinen Fall vermitteln, dass man nach einer Beratung bei uns alles selber machen kann." Stattdessen will er dazu ermutigen, sich beim Hausbau professioneller Planer zu bedienen.

Gute Planung spart Kosten

Das Konsultieren eines Architekten finanziere sich dabei ganz von selbst, erklärt Obleser und nennt ein Beispiel: "Wenn ein guter Planer einen Grundriss um zehn Quadratmeter unnötiger Fläche minimiert, sind zwei Drittel seines Honorars bereits aufgewogen." Ein besonders großes Einsparungspotenzial liege in einer professionellen Ausschreibung. "Ein Haus ist meist die größte Investition im Leben eines Menschen", erklärt der Berater, "so etwas schnell mal am Küchentisch zu planen ist unseriös."

Die Serviceeinrichtung NÖ gestalten wird mittlerweile auch von Häuslbauern aus anderen Bundesländern in Anspruch genommen. Denn anders als in Niederösterreich, wo man sich bereits bei mehreren Stellen schlaumachen kann, wird in den meisten anderen Bundesländern kaum firmenunabhängige Hilfe angeboten.

"Bei uns gibt es leider nichts Vergleichbares", heißt es etwa beim Land Steiermark, während in Vorarlberg ein eigenes Energieinstitut zumindest im Bereich des energieoptimierten Bauens kompetent berät. In Oberösterreich wiederum können Hausbauer für ein halbtägiges Erstgespräch mit einem Architekten oder Baumeister Bauberatungsschecks um 75 Euro erwerben. Gratis will man diese Form der Erstberatung aber nicht anbieten, wird vom Land Oberösterreich versichert. Denn: "Was nichts kostet, ist nichts wert."  (Fabian Wallmüller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.4.2009)