Battleforge von Phenomic/EA, für PC, ab 12 Jahre, circa 50 Euro

Nur nicht alles auf eine Karte setzen: Kluge Auswahl taktischer Einheiten führt zum Tod des epischen Urzeit-Saurier-Monsters.

Foto: EA

Im Fantasyland ist wieder einmal der totale Krieg ausgebrochen. Einer von der Sorte, der umsichtig und schnell koordiniert werden will, damit die Truppen aus Feuer-, Frost- und sonst welchen Viechern extrem episch und wahnsinnig legendär den Sieg davontragen. Nicht nur gegen die künstliche Intelligenz aus dem Computer, sondern auch gegen den Gegenspieler aus Fleisch und Blut am anderen Ende des Internets.

Sammelkarten

Battleforge gibt sich Mühe, etwas Schwung in das nach immergleichen Rezepten kochende Genre der Echtzeitstrategie hineinzubringen. Die Wunder-ingredienzen, die das abgeschmackte Kraut in der 08/15-Fantasywelt fett machen sollen, sind Karten. Nicht Schnaps- oder Postkarten - sondern Trading Cards, Sammelkarten, die früher schon einmal in Papierform in Mode waren.

Bei Battleforge geht es nicht mehr darum, Infrastruktur aufzubauen, um damit Soldaten zu produzieren. Von Anfang an steht ein Arsenal von Karten zur Verfügung, die bestimmte Einheiten mit besonderen Verteidigungs- und Angriffskräften repräsentieren. Im Bann des Echtzeitstresses muss der Spieler die richtige Karte im richtigen Moment einsetzen, sprich: den passenden Bogenschützen, Verteidigungssturm oder Feuerspuck-Flugvogel an strategisch vorteilhafter Stelle auf dem Spielfeld positionieren. Wodurch das Spiel recht flott geraten kann. Ganz ohne Ressourcenmanagement geht's aber nicht: Starke Truppenteile kosten entsprechend mehr Energie, welche sich durch Eroberung weiterer Spielfeldteile vermehrt.

Überblick behalten

So weit nicht so schwer. Die Langzeitmotivation besteht darin, ein Arsenal von 200 Karten in den Griff zu bekommen und taktisch verwenden zu können. Was, um sich auch mit den Kollegen aus dem Internet messen zu können, durchaus längeren Lernprozess benötigt. Und auf Langzeitengagement zielt das Konzept auch ab: Virtuelle Karten können online getauscht und gekauft werden.

Das Ganze macht eigentlich ziemlichen Spaß. Vom Erscheinungsbild her kommt das Spiel zwar knallig bunt und ohne falschen Ernst daher, leidet aber doch unter unoriginellem Wiederkauen abgeschmackter Fantasy-Klischees, versehen mit zu viel Pomp und Trara und durchwegs albernen Namen vom Silberwind-Lanzer bis zur Nekrobestie. Es verstehe wer will, warum nicht mehr Fantasie in die Fantasywelten gepumpt wird.

Empfehlung

Trotzdem: Der knallharte Echtzeitstratege kann sich mit Battleforge die Wartezeit auf das kommende Glanzprojekt der Dekade, Starcraft 2, stresskoordinierend verkürzen. (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe vom 25.4.2009)