Noch vor einem Jahr erschien der Internationale Währungsfonds als Auslaufmodell. Für seine Forderungen nach drastischen Sparmaßnahmen in den Ländern der Asienkrise wurde er heftig kritisiert, und immer weniger Länder riefen Kredite von ihm ab. Schließlich gab es genügend privates Kapital ohne seine harten Auflagen.

Doch nun erweist sich der Fonds als Bollwerk im internationalen Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Für arme wie für manche reiche Länder ist er der beste Schutz vor dem Staatsbankrott, wofür er nun auch deutlich mehr Mittel braucht. Und in Zukunft soll er die Regulierung der internationalen Finanzmärkte koordinieren.

Aber zuvor muss der Fonds zwei grundsätzliche Probleme lösen. Um den Einfluss der großen Schwellenländer tobt ein beinharter Machtkampf; kleinere europäische Staaten wie Schweiz und Belgien wehren sich dagegen, durch eine Aufstockung der Quoten für China und Indien ihre Sitze im Exekutivrat zu verlieren. Der Ausgang dieses Konflikts ist jetzt schon klar: Die neuen Wirtschaftsmächte werden sich durchsetzen, die Europäer verlieren.

Schwieriger ist die Frage, wie der Fonds die Fehler der Asienkrise vermeiden kann, indem er Staaten nicht zum destruktiven Sparen zwingt, ohne zugleich eine unverantwortliche Politik zu belohnen. Denn wenn die Bedingungen der IWF-Kredite allzu locker werden, dann reichen auch seine neuen Kreditlinien nicht lange aus. So paradox es klingt: Damit der IWFeffektiv sein kann, muss er unpopulär bleiben. (Eric Frey/DER STANDARD-Printausgabe, 27. April 2009)