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Schweinegrippe hat Twitter mir eine Flut an Fehlinformationen infiziert

Foto: AP

Twitter hat sich aufgrund der rasanten Verbreitung von Nachrichten bei Katastrophen wie den Anschlägen von Mumbai oder der spektakulären Notwasserung eines Passagierflugzeugs im Hudson River zu einer beliebten Informationsquelle entwickelt. Doch der Service ist auch ein gutes Beispiel für die Verbreitung von Falschnachrichten, wie die zahlreichen Tweets zur Schweinegrippe verdeutlichen.

Populärste Suchanfragen

Twitter Search listet die Suchanfragen nach "swine flu" und "#swineflu" derzeit auf den vordersten beiden Plätzen der aktuell populärsten Themen. Doch gleichzeitig mit dem Enthusiasmus über die neue Form der Kommunikation und Nachrichtenverbreitung wachsen auch die Bedenken, dass dadurch - möglicherweise auch absichtlich - Panik geschürt wird.

Mehr Follower

Blogger Evgeny Morozov kritisiert, dass viele Twitter-User das Thema Schweinegrippe ausschlachten, um selbst populärer zu werden - also mehr Follower zu bekommen. Der Versuch, durch die Häufigkeit der Suchbegriffe die Ausbreitung einer Krankheit vorhersagen zu wollen, wie es Google tut, könne über Twitter nur scheitern.

Nachrichten ohne Kontext

User könnten trotzdem durch die Unmengen an Schweinegrippen-Tweets verunsichert werden. Vor allem, weil die Nachrichtenlänge maximal 140 Zeichen beträgt und es damit fast unmöglich ist, komplexere Informationen zu verbreiten. Das stelle zwar bei den meisten Twitter-Konversationen laut Morozov kein Problem dar. Doch im Fall einer möglicherweise drohenden Pandemie würden die Kontext-losen Nachrichten Ängste schüren, ohne aufklären zu können. Einige User vermuten hinter dem Ausbruch beispielsweise biologische Kriegsführung.

Regierungen verpassen Twitter-Trend

Der Blogger meint, dass es in solchen Fällen möglicherweise nützlich sein könnte, offizielle Informationen von Ärzten oder Gesundheitsorganisationen zu priorisieren. Doch die Regierungen würden es verabsäumen, Twitter als einen Kanal zur Verbreitung wichtiger Nachrichten zu nutzen. Unternehmen wie Starbucks oder Dell hätten Microblogging indes bereits entdeckt, um ihre Produkte zu bewerben.

Psychologische Kriegsführung

Es sei nur eine Frage der Zeit bis Cyberterroristen beginnen, Twitter zu nutzen, um Falschinformationen zu streuen und Panik zu schüren. Morozov ist der Ansicht, dass diese Taktik noch gefährlicher sei als tatsächliche Angriffe auf Netzwerke. Psychologische Kriegsführung ist natürlich eine altbekannte Taktik. Mit Twitter und Co erhält sie jedoch neue Kanäle, deren Kontrolle ohne Zensur schwierig bis unmöglich sein dürfte. (red)