Graz - Intelligent eingesetzte Telematik kann vielen Patienten den Alltag erleichtern - und dem Gesundheitswesen Kosten ersparen: In der Steiermark startetet ein Projekt, das mit Hilfe von telemedizinischer Unterstützung die Betreuung von Patienten mit chronischen Wunden verbessern soll. Das Projekt beschränkt sich vorerst auf die Bezirke Leoben, Bruck/Mur und Mürzzuschlag.

Versorgung ohne zusätzliche Arztwege

Rund ein Prozent der steirischen Bevölkerung leidet an chronischen Wunden wie beispielsweise einem "offenen Fuß" oder einem Druckgeschwür. Diesen Patienten will das Reformpoolprojekt "Teleulcus" nun eine verbesserte Versorgung ohne zusätzliche Arztwege bieten. "Ziel des Projektes ist es, die Patienten mit chronischen Wunden vorwiegend im niedergelassenen Bereich zu versorgen und stationäre Aufenthalte und Ambulanzkontakte zu reduzieren", schilderte Barbara Binder von der Grazer Uniklinik für Dermatologie. Bei vielen dermatologischen Problemen oder Heilungsverläufen genügt Spezialisten heute ein Foto der Wunde in Handyqualität, um beurteilen zu können, ob der Patient zur weiteren Abklärung oder Behandlung ins Krankenhaus gerufen werden muss oder nicht.

Beratung durch speziell zusatzausgebildete Wundärzte

Im steirischen Projekt werden daher zum einen Hausärzte und Mitarbeiter der Hauskrankenpflege bei der Wundversorgung durch speziell zusatzausgebildete Wundärzte beraten, so Binder. Zusätzlich können aber auch durch Zuhilfenahme von Datenfernübertragung Spezialistenmeinungen und Therapievorschläge von den Experten an der Grazer Hautklinik eingeholt werden.

Vorprojekt zeigt Erfolg

In einem Vorprojekt überwachte die Hautklinik in Graz drei Monate lang den Wundzustand von 16 Patienten aus dem Bezirk Deutschlandsberg mit 45 chronischen Beinulcera über telemedizinische Konsultation. Die Wundbehandlung wurde von ambulanten Pflegediensten unter Beteiligung der Hausärzte in den Wohnungen der Patienten vorgenommen. In dieser Zeit verringerte sich der Umfang der Ulcera bei 71 Prozent der Patienten, wovon 31 Prozent dann vollständig ausheilten. "Die Zahl der Ambulanzbesuche konnte dramatisch verringert werden. 46 Prozent der bisher üblicherweise anfallenden Transportkosten für die Patienten sind entfallen", so Binder. (APA)