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Einsamer Zuseher.

Foto: Reuters/Lopez

Mexiko-Stadt -  Der Ausbruch der tödlichen Schweinegrippe in Mexiko macht auch vor den Fußballstadien nicht halt. Aus Angst vor einer Ausbreitung der Krankheit fanden die wichtigsten Liga-Spiele am Wochenende ohne Publikum statt. Zum letzten Mal waren die Fußballanhänger in dem lateinamerikanischen Land nach dem zerstörerischen Erdbeben in Mexiko-Stadt im September 1985 aus den Stadien verbannt worden.

Von der ungewöhnlichen Maßnahme erfuhren viele Fans erst vor den Stadien selbst. "Wir wussten davon nichts", erklärte ein Mann vor dem Higalgo-Stadium in Pachuca nahe der mexikanischen Hauptstadt nach sechs Stunden Fahrzeit. Auf den Sitzplätzen innerhalb des Stadions war nur das Maskottchen des örtlichen FC Pachucas zu sehen. Sonst verfolgte niemand am Samstag den 3:0-Sieg gegen die Besucher von FC Cruz Azul. Damit eroberte der Gastgeber wieder den Spitzenplatz der mexikanischen Tabelle.

"Komisch war es wohl"

Der Eigentümer des Pachucas, Jesús Martinez, bat die enttäuschten Fans um Verständnis. "Nach so einem großartigen Sieg ist es selbstverständlich sehr traurig, vor einem leeren Stadion zu stehen", sagte er, "das menschliche Leben ist jedoch wichtiger." Auch für die Spieler in Pachuca und anderen mexikanischen Austragungsorten war es eine ungewöhnliche Situation. "Wir sind ja Profis und müssen spielen, ganz egal ob eine Person oder 60.000 Menschen im Stadion sind, aber komisch war es wohl", sagte der Verteidiger des Pumas, Efraín Velarde, nach dem 1:1 im Sonntag-Heimspiel gegen Guadalajara.

Nach dem Ausbruch der Schweinegrippe sind bisher mindestens 20 Menschen in Mexiko gestorben. Weitere 60 verdächtige Todesfälle werden derzeit von den Gesundheitsbehörden untersucht. Angesichts des Ausmaßes der Epidemie waren am Wochenende mehr als insgesamt 500 Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt worden. Trotz der großen Bedeutung mancher Spiele sei auch der Ausschluss des Publikums aus den Stadien "bei vollem Bewusstsein" entschieden worden, erklärte der mexikanische Fußballverband.

Die Organisation bedankte sich vor allem bei den Fußballspielern. "Die Solidarität gegenüber den Einwohnern und den Fußballanhängern ist vorrangig", hieß es.(APA/dpa)