Die Plakate vor der Hauptuni erfreuen sich offensichtlich keiner gesteigerten Beliebtheit.

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Stefan Kilga und Michael Fouzailov beraten die Studenten für die AG. Sie können das innerhhalb der WU, während...

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...Sigrid Gugerbauer (R) und ihre Mitarbeiterin Nicole Krugluger bis jetzt nur vor der Türe ihre Flyer verteilen dürfen.

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Kryptische Fachschaft auf der TU: Links steht "We are not afraid of Chuck Norris", rechts: "Wir wollen määähhhr"

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Anders als bei ihren Kollegen von der WU hat der VSSTÖ seinen Stand vor der Hauptuni geöffnet. Am Montag hatten Aline Hoffmann und Christian Rechberger Dienst,...

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...während sich die Gras eine kurze Auszeit nahm.

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Die Wahlkampfplakate sind umgefallen oder abgerissen. Studierende eilen an den Plakaten vorbei, ohne sie zu beachten. Die Stände der Aktionsgemeinschaft (AG), des Verband sozialistischer Studenten und Studentinnen Österreichs (VSSTÖ) und der Gras (Grüne alternative StudentInnen) sind verwaist. Um kurz nach zehn Uhr am Vormittag ist auf der Hauptuni wahltkampftechnisch tote Hose. Ohne die Plakate würde man nicht ahnen, dass Ende Mai die ÖH-Wahlen stattfinden.

Vom 26. bis zum 28. Mai können die Studierenden ihr Hackerl auf Papier machen. Schon eine Woche davor können sie elektronisch ihre Stimme abgeben - erstmals wird in Österreich das E-Voting bei einer offiziellen Wahl angeboten; von Wissenschaftsminister Hahn gefördert, von den Studierendenvertretern bekämpft. Gewählt wird auf der Uni im Zweijahresrhytmus. 2007 war die AG österreichweit mit 20 Mandaten stärkste Fraktion, 15 Mandate schaffte die Gras. Die Fachschaftslisten kamen auf 14 Mandate. Der SPÖ-nahe VSSTÖ, der 2005 noch am meisten Stimmen einfahren konnte, wurde vor zwei Jahren mit elf Mandaten nur Vierter.

Keine Stimmung im AG-Revier

Auf der Wirtschaftsuniversität (WU) ist fast genauso wenig von Wahlkampfstimmung zu spüren wie auf der Hauptuni. Ohnehin ist auf der WU gerade Prüfungswoche, die Studierenden haben Besseres zu tun. In der Aula sind um 11 Uhr die Stände des VSSTÖ und der Gras leer. Wer Auskunft will, findet sie nur bei dem Stand der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft. Das kommt nicht überraschend: Die WU ist eindeutig AG-Revier. Bei der vergangenen Wahl schaffte die Aktionsgemeinschaft hier sogar die Zweidrittelmehrheit.

Stefan Kilga und Michael Fouzailov betreuen heute den AG-Stand. In orangen Hemden und mit Namensschildern warten sie auf Interessierte, an die sie ihre Info-Broschüren verteilen können. Seit eineinhalb Jahren ist Kilga bei der AG engagiert, „weil ich etwas erreichen und Verantwortung übernehmen will." Es wirkt so, als würde er meistens lange warten, bis sich jemand bei ihm informiert. Innerhalb von zehn Minuten fragt keiner der Studenten etwas. Doch Kilga sagt, alleine am Vormittag ist er schon von „30 bis 40 Leuten" angesprochen worden.

Die wollen wissen, wann, wo und wie gewählt wird, und so dreht sich das Gespräch meistens um E-Voting. Die AG ist die einzige Studierendenfraktion, die das Wählen mit dem Computer unterstützt. Kritik daran nehmen die beiden gelassen hin. Fouzailov versteht die ganze Aufregung nicht ganz, immerhin „muss ja niemand das E-Voting nutzen".

AG als linker Agent

Vor den Toren der WU steht Sigrid Gugerbauer vom Ring freiheitlicher Studenten (RFS) und verteilt Flyer. Sie darf noch nicht hinein. Erst wenn am 30. April die Einreichfrist der Listen abgelaufen ist, werden allen antretenden Fraktionen Stände in der Aula zugeteilt. Davor dürfen nur die Listen drinnen werben, die ein Mandat in der WU-Univertretung haben. Gugerbauers Ziel ist es, bei dieser Wahl ein Mandat für den RFS zu erlangen und die Zweidrittelmehrheit der AG zu brechen. Denn die helfe immer den Linken. „Wenn es darum geht, ob sich die ÖH für die Homo-Ehe einsetzt, enthält sich die AG der Stimme und die Linken kommen mit ihren Forderungen durch." Auch ein Feminismus-Cafe werde so mit 300 Euro im Monat gesponsert. „Wir wollen, dass sich die ÖH um Uni-Themen kümmert. Studentenpolitik hat ganz andere Schwerpunkte", meint die 21-Jährige.

Auch Gugerbauer ist gegen E-Voting. „Jede elektronische Stimme kann immer von mindestens einer Person nachverfolgt werden. Wie soll man da von einem geheimen Wahlrecht sprechen?"

Auf der Technischen Universität (TU) gibt es nicht einmal Stände, nur ein RFSler verteilt an einer Ecke Flyer. Die befassen sich beinahe ausschließlich mit Gendersprache bei wissenschaftlichen Arbeiten, denn „der RFS ist strikt gegen diese Verunglimpfung unserer Sprache." Auch die Fachschaft auf der TU hat selbstgemalte Plakate aufgehängt, deren Sinn sich nicht wirklich erschließen lässt. "We are not afraid of Chuck Norris", steht da, und, schon leichter nachvollziehbar: "Wir wollen määähhhr", geschrieben über einer Schafsherde.

Überzeugungsarbeit gegen E-Voting

Zurück auf der Hauptuni ist um 12.30 Uhr schon mehr los. AG und VSSTÖ haben zwischen Eingang und U-Bahn-Aufgang fixe Stände, die jetzt beide besetzt sind. Gegenüber ist die GRAS seit Anfang März mit einem kleinen Wohnwagen samt Infomaterial postiert. Momentan ist er leer. „Die haben sie verpasst", sagt Aline Hoffmann vom VSSTÖ-Stand. Gerade eben soll die GRAS noch da gewesen sein.

2 Mal pro Woche steht Hoffmann an ihrem Stand und widmet sich den Fragen von Studenten und Studentinnen. Der Stand ist von 11 bis 17 unter der Woche jeden Tag geöffnet. "Zu Beginn des Semesters wollten sie vor allem Auskunft, wer Studiengebühren zahlen muss und wer nicht", sagt Hoffmann. Langsam drehen sich die Fragen auch um die Wahl, und da vor allem um das E-Voting. "Die meisten sind eigentlich ganz aufgeschlossen, bis wir sie dann vom Gegenteil überzeugen", sagt ihr Kollege Christian Rechberger. Auch andere, grundlegende Fragen wie "Was ist eigentlich die ÖH, und was tut sie für mich?", werden häufig gestellt.

Für Hoffmann ist es schon ihr zweiter Wahlkampf. Sie glaubt, dass das Interesse steigt, je näher die Wahl kommt. Sie will auf jeden Fall ein Mandat auf der Uni Wien dazugewinnen. Genauso wichtig ist es ihr, dass die Wahlbeteiligung steigt. Wenn das der Fall ist, dann wegen des gesteigerten Interesse der Studierenden, und "nicht wegen dem e-voting." (Christoph Böhmdorfer, derStandard.at)