Die Darlehen seien oft mit überteuerten Versicherungen gekoppelt. Vor allem Kunden mit schlechter Bonität tappen in die Falle.

Wien – Einkaufen auf Pump erfreut sich auch bei Österreichern immer größerer Beliebtheit. Große Handelsketten werben mit zinsenlosen Darlehen und verlocken die Kunden damit zu raschen Abschlüssen. Von der neuen Küche bis zum Flachbildschirm – alles lässt sich heute schnell und angeblich unproblematisch finanzieren.
"Leider stellt sich aber wieder einmal heraus, dass alles, was als unbürokratisch und problemlos hingestellt wird, die Konsumenten teuer zu stehen kommt" , sagt Manfred Neubauer, Konsumentenschützer bei der Arbeiterkammer Niederösterreich (AK NÖ).

Die AK NÖ warnt speziell vor Konsumkrediten der spanischen Santander Consumer Bank. Sie vergibt Darlehen in Möbelhäusern und Elektronikketten und kombiniert diese laut Neubauer mit überteuerten Versicherungen.
"Die Versicherungspakete, die mit dem Kredit verkauft werden, verursachen horrende Rückzahlungssummen" , weiß Neubauer aus den Beschwerden, die bei der AK NÖ eintreffen.

So hat sich eine Konsumentin an die AK NÖ gewandt, deren Kreditsumme von 6000 Euro mit einer ebenfalls kreditfinanzierten Restkredit-Lebensversicherung, einer Unfall-Zusatzversicherung, einer Restkreditarbeitsunfähigkeitsversicherung und einer Restkreditarbeitslosigkeitsversicherung von insgesamt 2493 Euro gekoppelt war. Zuzüglich der Ablöse eines Vorkredits von 444 Euro und der Zinsen ergeben sich für die Kundin bei einer Laufzeit von acht Jahren eine Gesamtbelastung von 14. 291 Euro und ein effektiver Jahreszins von 12,98 Prozent.

"Unnötige Versicherungen"

"Diese Versicherungspakete sind absolut nicht nötig und viel zu teuer. Das geht über reine Spesenschinderei hinaus" , kritisiert Neubauer. Eine Kreditrestschuldversicherung bekomme man bei anderen Banken um ein paar Euro. Allerdings liegt laut Neubauer hier auch eines der Probleme: Santander, die die zuvor auf Konsumentenkredite spezialisierte GE Money Bank übernommen hat, konzentriere sich auf Warenkredite und Schuldenzusammenlegungen und wende sich damit vor allem Kunden, "die sonst keine Kredite mehr bekommen würden" . Dieses Risiko müsste laut Neubauer aber schon bei den Zinsen eingepreist sein und dürfte nicht über überteuerte Versicherungen abgedeckt werden, fordert der Konsumentenschützer.

Denn auch ohne die Versicherungen sind die Santander-Kredite nicht billig. So kosten sie zum Beispiel bei der Möbelkette XXX-Lutz, effektiv 9,9 Prozent jährlich, erklärt XXX-Lutz-Sprecher Thomas Saliger. Vier bis acht mal im Jahr gebe es bei Lutz "Zinsenfrei-Aktionen" . "Wir bieten dann Kredite über 36 Monate zinsenfrei an" , so Saliger. Die Nebengebühren von bis zu 2,9 Prozent der Kreditsumme müsse der Kunde aber bezahlen. Eine Restschuldversicherung werde bei Lutz zwar angeboten, sie betrage bei einer Kreditsumme von 10.000 Euro aber nur 200 Euro und werde freiwillig abgeschlossen, beteuert Saliger. Ähnliche Aktionen und Konditionen gibt es auch beim schwedische Möbelhaus Ikea.

Konsumentenschützer Neubauer warnt vor dem übereilten Unterschreiben teurer Kreditverträge: "Die Leute überlegen bei Konsumkrediten nicht wie bei anderen Darlehen, sollten dies aber tun. Denn oft machen die Raten der leicht erhältlichen Kredite dann ein Fünftel des Einkommens aus." Aus den Kreditverträgen könne auch die AK die Kunden nicht mehr herausbekommen. Allerdings hoffe man, zumindest die teuren Versicherungen wieder loszuwerden. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.4.2009)