Graz - "Sex ist ein Menschenrecht" - mit diesem Grundsatz ist am Dienstag in Kalsdorf bei Graz die Sexualbegleitungs-Fachstelle ".hautnah." für Menschen mit Behinderung von Soziallandesrat Kurt Flecker (S) eröffnet worden. Die Einrichtung unter dem Dach von "Alpha Nova" bietet neben Beratung erstmals in Österreich aktive Begleitung durch acht im vergangenen halben Jahr ausgebildete SexualassistentInnen an.

Seit 1995 existiert die Beratungsstelle "Alpha Nova" in Kalsdorf und schon nach wenigen Jahren mit dem Schwerpunkt Sexualität und Aufklärung habe sich gezeigt, dass man "vom Reden nicht satt wird, die Lust will auch befriedigt werden", erklärte Geschäftsführer Thomas Wögerer. Mit dem Ziel, selbstbestimmte Sexualität für Menschen mit Behinderung möglich zu machen, wurden ab Herbst 2008 in einem vom Land Steiermark geförderten Lehrgang sieben Frauen und ein Mann zu selbstständig tätigen Sexualbegleitern ausgebildet. Die nun eröffnete Fachstelle vermittelt und schafft u.a. Raum für Workshops.

Scheinmoral der Gesellschaft

Flecker unterstrich das "Recht auf Zugang zu Sexualität" und nannte es unmenschlich, Menschen, die nur schwer Zugang dazu hätten, damit allein zu lassen. Die Fachstelle sei "ein kleiner Etappensieg in der Scheinmoral der Gesellschaft" und er hoffe, dass "hier viele Lustvolles erleben, was für andere selbstverständlich ist".

Die SexualbegleiterInnen können mit ihrem abgeschlossenen Lehrgang Menschen mit Behinderung helfen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Dabei sind zärtliche Berührungen und Streicheln erlaubt. Aus dem Rahmen fallen jedoch Zungenküsse, Geschlechts- oder Oralverkehr. Diese Dienstleistungen würden unter das Prostitutionsgesetz fallen und eine Reihe von rechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen.

"Alpha Nova" ist bemüht, eine eigene gesetzliche Grundlage für SexualbegleiterInnen zu schaffen. Flecker jedoch sah am Dienstag "keine Chance", um auf rechtlicher Ebene einen Konsens zu finden. Dafür hoffte er, dass das momentane Angebot noch günstiger werde (derzeit 70 bis 100 Euro pro Stunde, Anm.), denn "es sollte keine Frage des Geldes sein." (APA)