Seit Monaten fordern die Rechnungshofpräsidenten der Länder und des Bundes, sie doch um Himmels willen auch Gemeinden unter 20.000 Einwohner prüfen zu lassen. Es gehe dabei immerhin um Schulden von offiziell zwölf Milliarden Euro. Der Verdacht der Präsidenten: In "Maastricht-konformen" Ausgliederungen und den Gemeindeverbänden - Müll, Wasser, Abwasser, Energie - könnte sich aber ein veritables Bedrohungspotenzial geklumpt haben.

Die Bürgermeister bremsen diesbezüglich beinahe neugebaueroid. Umso witziger, nun dem Oberwarter Bürgermeister Gerhard Pongracz (SP) zuzuhören, wenn er vom eben bekanntgewordenen Finanzdesaster seiner Stadt erzählt. Es seien immer wieder Bürger auf ihn zugekommen und hätten gesagt: "Braucht's kein Geld, ich hab schon seit ewig kein Wasser mehr gezahlt." Dann sei er eben zum Buchhalter gegangen und habe urgiert: "Der muss dir rausg'rutscht sein."

Ungefähr so darf man sich wohl ganz allgemein die interne Revision in österreichischen Gemeinden vorstellen. Aber auch die - weisungsgebundenen - Aufsichtsbehörden scheinen überfordert. Burgenlands Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl (VP) hält es ja schon für eine "Prüfung", wenn sich seine Beamten den Budgetvoranschlag und den Rechnungsabschluss auf Ungereimtheiten anschauen.

Angesichts solcher Geschichten erscheint es nicht abwegig anzunehmen, dass sich unter den Gemeinden ein bisher geheimes Loch auftut. Höchste Zeit also, dass die Rechnungshöfe sich auf die Suche danach machen. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD - Printausgabe, 29.4.2009)