Nachbildung eines DDR-Grenzkontrollzimmers im Museum "Point Alpha" bei Geisa, einem Ort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Foto: Kurt Kaindl

Geisa ist Point-Alpha-Stadt. Das steht auf der Website des kleinen Städtchens in der Thüringer Rhön gleich neben dem Stadtwappen. "Point Alpha" war ein amerikanische Beobachtungsstützpunkt, der bis zum Fall des Eisernen Vorhangs eine wichtige Aufgabe im Verteidigungskonzept der Nato übernahm - für den 5000-Seelen-Ort an der innerdeutschen Grenze ist dieser historische Punkt noch immer von immenser Bedeutung, beherbergt er inzwischen gar ein "Grenzmuseum". Frösteln verursacht der Blick in die Nachbildung eines DDR-Grenzkontrollzimmers samt Plastikoffizier am gähnend leeren Schreibtisch.

Kurt Kaindl hat solche Szenarien - einen der zahlreichen Versuche, Vergangenheit museal aufzuarbeiten - auf seinen Reisen ins Niemandsland entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs fotografisch eingefangen. Von Lübeck bis Triest folgte er den (ehemaligen) Grenzlinien und näherte sich ihnen von Osten wie von Westen her an. Auch den Spuren der Grenzbefestigungen ist Kaindl nachgegangen - eines dieser Bilder weiß nachhaltig zu irritieren: Das Foto von einem Pfosten der ehemalige Grenze zwischen Slowenien und Italien, vertikal genau in zwei Hälften geteilt, zeigt links einen Jogger auf regennassem Asphalt, rechts Bahngleise durch grünes Wohnland. Ein unwirklicher Ort, der noch nicht zur "Normalität" gefunden hat. - Ausstellungskatalog mit Texten von Karl-Markus Gauß und Clemens Berger. (kafe, DER STANDARD - Printausgabe, 29. April 2009)