Milchbauern in ganz Europa gehen bzw. fahren heute auf die Straße. Ihr Anliegen: Demonstrieren gegen den massiven Preisverfall bei Milch. In Wien sind rund 300 Traktoren und 1.500 Milchbauern auf der Ringstraße unterwegs.

Foto: Bruckner

Der österreichische Bauernmilchpreis ist innerhalb eines Jahres von 42 auf 29 Cent pro Kilogramm gefallen. In Deutschland werden nur noch etwa 20 Cent bezahlt, der Weltmarktpreis liegt sogar noch darunter. Viele Bauern sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Foto: Bruckner

Laut Statistik verschwinden übrigens jeden Tag 97 Kühe und neun Bauernhöfe in Österreich. Die Zahl der derzeit noch rund 40.000 Milchbauern reduzierte sich zuletzt jährlich um mehr als 2.000 Betriebe.

Foto: Bruckner

Auf Plakaten und Transparenten war unter anderem zu lesen "Ohne faire Preise keine Zukunft" oder "Stirbt der Bauer, stirbt das Land". 

Foto: Bruckner

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sind sie nicht nur mit Bussen und Traktoren angereist, sondern haben auch gleich die Milchspender mitgenommen. Nicht alle fühlten sich in Wien (hier vor der Hofburg) aber auch gleich daheim.

Foto: Bruckner

Er kam mit seiner Bea aus Niederösterreich. Von der Politik fordern die Milchbauern eine flexible Mengenregulierung - anstelle des Quotensystems, das derzeit gilt. "Entstanden ist die Situation durch die EU-weite Aufstockung der Milchlieferquoten zu einem Zeitpunkt, als der Milchmarkt bereits übersättigt gewesen ist", sagt er. Deswegen seien die Preise verfallen.

Foto: Bruckner

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern wird in Österreich das System der Saldierung angewendet, bei dem die bei einer Quoten-Überlieferung fällige Strafzahlung auf alle Milchbauern aufgeteilt wird. Dieses Abrechnungssystem verdammt laut IG Milch zur Überproduktion, was auch dazu geführt habe, dass Österreich seit dem EU-Beitritt in Relation zur Quote (auf Österreich entfallen nur zwei Prozent der Milchquote) die höchste Überlieferung habe. Als Vorbild schwebt die kanadische Lösung vor. Damit könne das Angebot an Milch an die Nachfrage angepasst werden, so die Argumentation der Bauern.

Foto: Bruckner

Die Konsumenten seien durchaus bereit, höhere Preise zu zahlen, glaubt er. Vordringen müsse man mit dem Anliegen nun zur EU.

Foto: Bruckner

Laut IG Milch, einer Vereinigung von rund 4.000 österreichischen Milchbauern, sind deutlich mehr als 40 Cent pro Kilogramm notwendig, um kostendeckend zu produzieren.

Foto: Bruckner

Die kleinen Strukturen und der hohe Anteil an Berggebieten machen in Österreich die Milchproduktion viel teurer als im Ausland. Und: "Bei uns haben die Kühe eben noch Namen und Familienanschluss", sagte IG Milch-Obmann Ewald Grünzweil heute.

Foto: Bruckner

Mancher sieht heute jedenfalls schon seinen Berufsstand am Abgrund und macht das mit drastischen Zeichen deutlich. Oder, wie ein deutscher Milchbauer laut Austria Presse Agentur meinte: "Wir haben den Bankdirektor im Genick und den Kuhschwanz im Gesicht. Wenn der Milchpreis weiter so sinkt, werden wir bald Eintrittsgeld in den Stall zahlen müssen."

Foto: Bruckner

Viel Freude mit der Aktion haben sichtlich die Touristen aus aller Welt.

Foto: Bruckner

Kein Wunder: Vieh in allen Farben sorgt für ein farbenfrohes Bild. Ob der eine oder andere Besucher die Sache als Volksfest einschätzt? ("Das Fest der Kuh"?)

Foto: Bruckner

Diesem Herrn wäre das sicher nicht recht, denn er ist einer der Standesvertreter, die schon einigermaßen erbost sind. Vor allem die Frage, ob die Bauern nicht ohnedies zu den recht gut unterstützten Berufsständen in Österreich zählen, macht ihn zornig.

Foto: Bruckner

Er dagegen ist recht zuversichtlich, dass man sich heute Gehör verschaffen wird. Die rund 42.000 österreichischen Milchbauern werden heuer vorsichtigen Schätzungen zufolge trotz wesentlich höherer Produktionskosten nur rund 1 Mrd. Euro Milchgeld bekommen, um rund 200 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Das wären pro Betrieb Einbußen von durchschnittlich 4.800 Euro.

Foto: Bruckner

Diese Herren sind gestern um Mitternacht im Mühlviertel gestartet. "Wenn wir wiederkommen müssen, können wir den Traktor gleich da lassen", sagen sie. "Wir sind alle Nebenerwerbsbauern, aber es geht sich alles immer weniger aus."

Foto: Bruckner

Dieser junge Mann ist Student und sich nicht ganz sicher, ob er für das Anliegen der Bauern Verständnis aufbringen soll: "Was die an Pensionen einzahlen und dann herausbekommen..."

Foto: Bruckner

Die Präsidentin des Nationalrates, Barbara Prammer, und die Agrarsprecher der Parlamentsparteien bekommen die gesammelten Forderungen überreicht.  Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich ist heute für seine Bauern nicht erreichbar ("Selbst auf Tour", heißt es). Und Bea scheint nun die Nase ebenfalls voll zu haben. Ob's was gebracht hat - muss sich erst herausstellen. (rb)

Foto: Bruckner