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7. November 1917
Nach militärischen Fehlschlägen Russlands im Ersten Weltkrieg und in sozialer Not kam es zu Massenstreiks. Zar Nikolaus II. dankte ab, eine bürgerliche Regierung ergriff die Macht. Am 7. November (nach julianischem Kalender am 22. Oktober) wurde sie von den Bolschewiki, den Kommunisten, in der Oktoberrevolution gestürzt, an deren Spitze Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin (Bild) stand. Im März 1918 war für Russland der Erste Weltkrieg zu Ende. 1922 wurde u. a. mit der Ukraine die Sowjetunion gegründet, die bereits von Josef Stalin (Sowjetdiktator von 1924 bis 1953) geformt wurde.

10. September 1919
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde die Doppelmonarchie aufgelöst. Im Friedensvertrag von Saint-Germain dekretierten die Siegermächte (Frankreich, England Russland, dazu Italien und die USA), dass die Republik Österreich ("Cisleithanien") Gebiete an die neu- bzw. wiedergegründeten Staaten Tschechoslowakei und Polen abgeben musste. Südtirol und Istrien wurden Italien zugesprochen. Schon zwei Monate vorher, am 28. Juni, waren im Vertrag von Versailles dem Deutschen Reich große Gebietsabtretungen, vor allem im Osten Europas, auferlegt worden.

4. Juni 1920
Der ungarische Teil der Habsburgermonarchie musste im Vertrag von Trianon auf Kroatien und die Slowakei verzichten. Gemäß dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es Woodrow Wilson (US-Präsident 1913-1921) eingefordert hatte, gab es Volksversammlungen und Abstimmungen. Siebenbürgen wurde daraufhin an Rumänien angeschlossen. Das Burgenland ging 1921 an Österreich, die Hauptstadt Ödenburg (Sopron) blieb nach einer Abstimmung ungarisch. Unabhängig davon wurde 1920 in der Kärntner Volksabstimmung entschieden, dass die überwiegend von Slowenen bewohnten Gebiete im Süden bei Österreich blieben.

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13. März 1938
In den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg kamen zuerst in Italien und 1933 auch in Deutschland Diktatoren an die Macht. Hass auf Juden und auf das "Diktat von Versailles" waren Triebfedern von Adolf Hitler. Juden wurden diskriminiert und sollten in ganz Europa vernichtet werden. "Verlorene" Gebiete holte Hitler "heim ins Reich": 1935 das Saarland, im März 1938 im dort von vielen gefeierten "Anschluss" Österreich. Später in diesem Jahr wurden ihm im Münchner Abkommen von Europas Staatsmännern, die einen Krieg vermeiden wollten, Teile der Tschechoslowakei zugestanden.

23. August 1939
Hitlers Außenminister Joachim von Ribbentrop und Stalins Außenkommissar Wjatscheslaw Molotow schlossen in Moskau einen mit 23. August 1939 datierten deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, der als Hitler-Stalin-Pakt bekannt wurde. Offiziell ging es um eine neutrale Haltung der Sowjetunion bei einem Konflikt Deutschlands mit Polen oder dem Westen. Im geheimen Teil wurde die Aufteilung Polens beschlossen. Mit seinem Angriff auf die Sowjetunion brach Deutschland 1941 den Vertrag. Dennoch sah sich Michail Gorbatschow Ende 1989 veranlasst, den Vertrag eigens für ungültig zu erklären.

1. September 1939
Nach inszenierten Zwischenfällen begann Hitlerdeutschland am 1. September 1939 den Angriff auf Polen und damit den Zweiten Weltkrieg. Briten und Franzosen reagierten mit Kriegserklärungen gegen Deutschland, das zunächst seinen Ostfeldzug erfolgreich fortsetzte und später Teile Frankreichs besetzte. Vor Stalingrad und mit dem Kriegseintritt der USA 1941 wendete sich die Lage. Bis zu Hitlers Selbstmord 1945 starben in dem Krieg, der die ganze Welt umfasste und in dem von den Nazis sechs Millionen Juden ermordet wurden, an die 60 Millionen Menschen.

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11. Februar 1945
Bei der Konferenz von Jalta, die am 11. Februar 1945 auf der Halbinsel Krim abgeschlossen wurde, legten die Alliierten, Briten-Premier Winston Churchill, US-Präsident Franklin D. Roosevelt und Sowjetdiktator Josef Stalin die Nachkriegsordnung fest. Deutschland und Österreich wurden in Besatzungszonen aufgeteilt, ein Teil Osteuropas Stalins Einflussbereich zugesprochen. Details regelten die "Großen Drei" im Juli 1945 auf der Potsdamer Konferenz, wo u. a. Polen nach Westen verschoben wurde, was Massenumsiedlungen bedeutete. 

5.März 1946
"Ein Schatten ist auf die Erde gefallen," sagte der kurz zuvor abgewählte britische Premier Winston Churchill im März 1946 in einer Rede im Westminster College in Fulton im US-Staat Missouri. Im sowjetischen Einflussbereich sah dabei auch Teile von Österreich verschwinden: „Es scheint, dass sich von Stettin an der Ostsee bis Triest am Mittelmeer ein Eiserner Vorhang über den Kontinent senkt. Hinter dieser Linie liegen alle Hauptstädte der alten Staaten von Zentral- und Osteuropa - Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia." 

4. April 1949
Von Juni 1948 bis Mai 1949 ließ die Moskauer Führung alle Zufahrtswege nach Westberlin blockieren, das in der sowjetischen Besatzungszone lag. Die Westalliierten versorgten die Berliner über eine Luftbrücke. Im September 1949 testeten die Sowjets erfolgreich eine Atombombe und brachen damit das Nuklearmonopol der USA. Im April 1949 schlossen die USA mit elf westeuropäischen Staaten das Militärbündnis Nato, dem 1955 auch die BRD beitrat. Bereits 1952 beschloss die Nato, auf Sowjetangriffe mit „massiver", auch atomarer, Vergeltung zu antworten.

Foto: STANDARD/Newald

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17. Juni 1953
In der DDR, 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland von KPD-Aktivisten um Walter Ulbricht gegründet, kam es 1953 zum ersten Arbeiteraufstand im sozialistischen Lager. Nach Erhöhung der Arbeitsnormen trotz schlechter Lebensbedingungen warfen Demonstranten in Ostberlin Steine auf Sowjetpanzer (Bild). Mindestens 55 Menschen kamen um. Im Mai 1955 band die Sowjetunion im Warschauer Pakt die Ostblockstaaten noch enger an sich. Mit dabei waren Bulgarien, ČSSR, DDR, Polen und Ungarn; bedingt auch Rumänien und (bis 1968) Albanien. 

23. Oktober 1956
Drei Jahre nach Stalins Tod stürzte dessen Denkmal beim ungarischen Volksaufstand, der am 23. Oktober 1956 mit einer Demo in Budapest begann. Wie zuvor in Polen formierte sich Widerstand gegen die Sowjettruppen und die Geheimpolizei. Premier Imre Nagy versprach Demokratie und Neutralität, wurde aber auf Befehl Moskaus verhaftet. Sowjetsoldaten in Panzern schlugen die Revolution der sich erbittert wehrenden Ungarn nieder; es gab mehr als 3000 Tote. 200.000 Menschen flüchteten via Österreich. Unter Moskaus Vertrautem János Kádár wurden 1200 Menschen, darunter Nagy, hingerichtet. 

21. August 1968
Mit dem Einmarsch in der ČSSR beendeten Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten im August 1968 gewaltsam den „Prager Frühling". Nachdem Ökonomen und Literaten schon länger liberale Reformen gefordert hatten, wurde im Jänner 1968 der bis dahin unauffällige Slowake Alexander Dubček KP-Chef und versprach einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Das Volk verstand "Freiheit" und war begeistert. Sowjetchef Leonid Breschnew ließ den "Frühling" niederwalzen und drohte in der Doktrin von der "begrenzten Souveränität" allen abweichenden "Bruderländern" das Gleiche an.

Foto: AP/File-Photo

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1. August 1975
Im Sommer 1975 wurde nach mehrjährigen Beratungen zwischen Ost und West die Schlussakte von Helsinki  unterzeichnet. Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) war vom Ostblock angestrebt worden, um die Nachkriegsgrenzen zu fixieren und westliches Know-how zu erhalten. Im Gegenzug forderten Nato-Länder und Neutrale die Einhaltung von Menschen- und Bürgerrechten, was der Osten akzeptierte. Darauf beriefen sich Dissidenten wie der Sowjetphysiker Andrei Sacharow und Gruppen wie die tschechische Charta 77.

2. Juni 1979
Kardinal Karol Wojtyla aus Krakau, im Oktober 1978 in Rom zum Papst gewählt, unternahm im Juni 1979 als Johannes Paul II. eine achttägige Pilgerreise durch seine polnische Heimat. Es war der erste Besuch eines Oberhaupts der Katholiken in einem Ostblockland. Polens KP-Edward Gierek hatte ihn zugelassen, um sein liberales Image und die Kreditwürdigkeit im Westen zu festigen. Millionen Gläubige empfingen den Papst als spirituelle Leitfigur und Symbol einer Gesellschaftsordnung jenseits des realen Sozialismus, was sich in dessen Fürbitte ausdrückte: "Erneuere das Angesicht dieser Erde". 

31. August 1980
Im August 1980 unterschrieben polnische Regierungsvertreter und die von Lech Walesa geführten Repräsentanten tausender streikender Arbeiter in der Lenin-Werft das Danziger Abkommen zur Gründung von Solidarność, der ersten freien Gewerkschaft des Ostblocks. Was ursprünglich als Protest gegen die überraschende Erhöhung von Lebensmittelpreisen begann, wurde zu einer von Arbeitern und deren intellektuellen Beratern getragenen Bewegung zu Demokratisierung der Gesellschaft, die mit der Ausrufung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski am 13. Dezember 1981 ein Ende fand.

Foto: AP Photo/Alessandra Tarantino

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6. Februar 1989
Polens kommunistische Machthaber setzten sich im Februar 1989 mit Vertretern der seit Ende 1981 verbotenen Gewerkschaft Solidarność am runden Tisch zusammen, um die Machtteilung auszuhandeln. Vorangegangen war der Aufstieg Michail Gorbatschows als sowjetischer KP-Chef, der dem wirtschaftlichen Verfall des Ostens durch eine Reform- und Entspannungspolitik entgegenzuwirken trachtete und der den Panzerkommunismus aufgab. Polen, wo die Opposition die Machthaber durch passiven Widerstand zermürbt hatte, war der logische Kandidat für eine Abschaffung der Diktatur.

2. Mai 1989
Seit in Ungarn im Mai 1988 der langjährige KP-Chef János Kádár von der Macht verdrängt worden war, wetteiferten dort Reformkommunisten darin, den Staat wirtschaftlich zu liberalisieren und internationalen Normen anzupassen. Im März trat Ungarn als erstes Ostblockland der Genfer Flüchtlingskonvention zum Schutz Asylsuchender bei. Am 2. Mai wurde auf Beschluss derungarischen Regierung mit dem Abbau der Grenzsperren begonnen, was vor allem in der DDR Aufmerksamkeit erregte. Oppositionelle, die auch in Ungarn am runden Tisch saßen, wollten mehr: freie Wahlen.

4. Juni 1989
Chinesische Studenten hatten im Frühjahr 1989 wochenlang gegen die KP-Führung demonstriert und auf Pekings "Platz des himmlischen Friedens" gegenüber dem Mao-Porträt die Statue einer Göttin der Demokratie errichtet. In der Nacht auf den 3. und mit voller Wucht am 4. Juni unternahmen scharf schießende Soldaten eine Räumungsaktion, die als Tiananmen-Massaker mit mehr als 2000 Toten bekannt wurde. Das Bild des Mannes, der sich den Panzern entgegenstellte, ging um die Welt und machte auch bei den für die Demokratie kämpfenden Osteuropäern starken Eindruck.

Foto: REUTERS/Arthur Tsang/Files

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27. Juni 1989
Mock/Horn
am Grenzzaun - Die Demontage der ungarischen Grenzsperranlagen war voll im Gange, als sich der österreichische Außenminister Alois Mock und sein Amtskollege Gyula Horn am 27. Juni 1989 bei Klingenbach am Grenzzaun trafen. Beiden wurden große Beißzangen gereicht, und die Minister durchtrennten den Stacheldraht. Die Bilder gingen um die Welt. So entstand das bis dahin berühmteste Symbolbild für die friedliche Beseitigung des Eisernen Vorhangs, der Europa jahrzehntelang geteilt hatte. Wochen später nutzen tausende DDR-Bürger die Löcher im Zaun zur Flucht. 

9.-12. Juli 1989
US-Präsident in Polen - Der Republikaner George Bush senior, der als Nachfolger von Ronald Reagan zum US-Präsidenten gewählt worden war, besuchte im Juli 1989 die mitten im politischen Umbruch befindlichen Ostblockländer Ungarn und Polen. In Warschau, wo er vor dem Denkmal im jüdischen Ghetto und im Parlament sprach, sah er neben jubelnden Menschen auch enttäuschte. Als „Belohnung" für ihre Bereitschaft zur teilweisen Aufgabe der Macht hatte sich die noch von der KP dominierte Regierung Polens eine Milliardenhilfe erwartet. Bush versprach nur 100 Millionen Dollar. 

19. August 1989
Paneuropa-Picknick - Mitte August 1989 hielten sich tausende fluchtbereite DDR-Bürger in Ungarn auf. Nur Einzelne schafften es illegal durch den Eisernen Vorhang nach Österreich. Samstag, den 19. August, öffnete sich am alten Grenzübergang zwischen Sopron und St. Margarethen unvermutet ein Tor. Die Paneuropabewegung von Otto von Habsburg hatte mit Flugblättern zum „Friedenstreffen" aufgerufen. Tausende Burgenländer und Ungarn strömten unter Blasmusik dorthin. Ein Zöllner öffnete das Tor. Hunderte DDR-Bürger konnten in dem Tohuwabohu unbehelligt über die Grenze gehen.

Foto: APA/Votava

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11. September 1989
Der anhaltende Flüchtlingsstrom in den Westen hatte die DDR in Veränderungstimmung versetzt. Am Wochenende vom 9. und 10. September trafen in Grünheide bei Berlin einige bekannte Oppositionelle wie Bärbel Bohley mit renommierten Ärzten und weiteren Akademikern zusammen, die als "Neues Forum" den Machthabern einen Dialog über die Probleme der DDR anboten. Am nächsten Tag fand in Leipzig nach dem schon traditionellen Friedensgebet in der Nikolaikirche die erste Montagsdemonstration statt. Etwa hundert der rund 500 Teilnehmer wurden von Stasi-Leuten verhaftet. 

6. Oktober 1989
Erst gab es Küsse, dann (verbale) Prügel. Zum 40. Jahrestag der DDR kam Michail Gorbatschow zu Erich Honecker nach Ostberlin (Bild). Der Mann aus Moskau, der von den Ostdeutschen mit "Gorbi, Gorbi"-Rufen empfangen wurde, raunte dem DDR-Chef etwas über die Strafe zu, die dem drohe, der nicht die Zeichen der Zeit erkenne. Ein Pressesprecher machte daraus den griffigen Spruch: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Am 18. Oktober trat der 77-jährige Honecker "aus gesundheitlichen Gründen" ab. Seine Politbüro-Genossen hatten ihn für die Missstände in der DDR verantwortlich gemacht. 

9. November 1989
Mauerfall - Nach mehreren Versuchen, neue Ausreiseregeln zu erlassen, die zu weiteren Protesten führten, beschloss die SED-Spitze am 9. November, allen Bürgern die Ausreise zu gestatten. Dies wurde vom Politbüromitglied Günter Schabowski bei einer internationalen Pressekonferenz verkündet. Als ein Italiener fragte, ab wann das gelte, sagte Schabowski „sofort", und wenig später war die Mauer weg. Derzeit sorgt Riccardo Ehrmann, der italienische Journalist, mit dem Bekenntnis für Aufregung, ein Insider, der ADN-Chef Günter Pötschke, habe ihm damals den Tipp gegeben, diese Frage zu stellen.

Foto:AP-Photo/Boris Yurchenko

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12. November 1989
Am 12. November 1989 erwischte es den am längsten amtierenden KP-Chef Osteuropas. Bulgariens Todor Schiwkow  wurde von den eigenen Leuten zum Rücktritt gezwungen. Der 78-Jährige, der seit 1954 amtierte und als korrupt galt, hatte zuletzt versucht, die Bulgaren mit abgeschwächten Reformen im Stile Gorbatschows zu besänftigten, doch es war vergebens. Am Rande eines Umweltforums, das die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Sofia veranstaltete, kam es zu Demonstrationen bulgarischer Grüner - und Schiwkow musste gehen. 

17. November 1989
Mit einer von der Polizei gewaltsam aufgelösten Studentendemonstration begann am 17. November 1989 in Prag die Samtene Revolution. Der Funke sprang auf die Bürger über, die über die Reformunwilligkeit der tschechoslowakischen KP-Führung empört waren. Zu Hunderttausenden strömten sie auf den Wenzelsplatz (Bild), um gegen die Regierung zu demonstrieren. Václav Havel und die altgedienten Dissidenten der Charta 77 standen bereit, um den Protesten eine Richtung zu geben. Sie gründeten das "Bürgerforum", das den Übergang zur Demokratie aushandeln sollte.

27. November 1989
Nur wenige Stunden dauerte der Generalstreik in der ČSSR, der den Machthabern gleichwohl wohl zu verstehen gab, dass ihre Zeit zu Ende war. Die Bevölkerung nahm, vom Prager "Bürgerforum" und der slowakischen „Öffentlichkeit gegen Gewalt" zur Besonnenheit ermahnt und - dank Gorbatschow - ohne Angst vor Sowjetpanzern, ihre Sache selbst in die Hand. Dem kommunistischen Staatspräsidenten Gustáv Husák, einem der Totengräber des Prager Frühlings von 1968, blieb nichts anderes übrig, als zusammen mit weiteren reformunwilligen KP-Politikern einige Tage später abzutreten.

Foto: AP/Peter Dejong

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23. Dezember 1989
Der Fall der Berliner Mauer löste auch in Rumänien, der neben Albanien schlimmsten kommunistischen Diktatur Osteuropas, Proteste aus. Massendemonstrationen forderten das Ende des Regimes von Nicolae Ceauşescu. Dieses reagierte mit Gewalt, mehr als tausend Menschen starben. Die Rolle des Geheimdienstes bei der Revolution ist bis heute nicht geklärt. Schließlich stellte sich die Armee auf die Seite der Demonstranten. Ceauşescu und seine Ehefrau Elena wurden am 23. Dezember festgenommen, vor ein Militärgericht gestellt und am 25. Dezember standrechtlich erschossen. 

28. Dezember 1989
Alexander Dubček, als reformbereiter KP-Chef eine Leitfigur des Prager Frühlings 1968, kehrt symbolhaft an die Spitze der Tschechoslowakei zurück. 1970 war er aus der Partei ausgeschlossen worden und musste als Inspektor der Forstverwaltung Bratislava arbeiten. Im November 1988 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Bologna und erhielt nach Hinhaltetaktik des Regimes schließlich Reiseerlaubnis. 1989 wurde Dubček politisch rehabilitiert und am 28. Dezember zum Parlamentspräsidenten gewählt. Dubček starb am 7. November 1992 nach einem Autounfall. 

29. Dezember 1989
Ende Oktober 1989 sagte der kommunistische tschechoslowakische Regierungschef Ladislav Adamec vor seinem Wien-Besuch zu österreichischen Journalisten in Prag: "Für mich ist Havel eine Null." Acht Wochen später, am 29. Dezember, war Václav Havel, prominentester Dissident und geistiger Kopf der Protestbewegung, Staatspräsident  - gewählt von den Abgeordneten des KP-Systems, das den Dichter verfolgt und insgesamt fast fünf Jahre eingesperrt hatte. Nach der Teilung der ČSFR mit 1. Jänner 1993 wurde Havel tschechisches Staatsoberhaupt.

Foto: AP

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31. Dezember 1991
Im August 1991 vereitelte der russische Präsident Boris Jelzin (im Bild mit einem Panzerfahrer vor dem russischen Parlament in Moskau) einen Putsch orthodoxer Kommunisten gegen Sowjet-Präsident Michail Gorbatschow. Damit war das Ende der Sowjetunion besiegelt. Am 8. Dezember unterzeichnete Jelzin mit seinen Kollegen Leonid Krawtschuk (Ukraine) und Stanislaw Schuschkewitsch (Weißrussland) im Wald von Beloweschsk bei Minsk den Vertrag, der „die Existenz der Sowjetunion als geopolitische Realität für beendet erklärt". Er wurde am 31. Dezember wirksam. 

1. Jänner 1995
Die österreichische Volksabstimmung vom 12. Juni 1994 ergab mit 66,6 Prozent ein unerwartet hohes Votum für den Beitritt zur Europäischen Union. Am 24. Juni unterzeichneten Bundeskanzler Franz Vranitzky und Außenminister Alois Mock auf Korfu den Beitrittsvertrag. Am 1. Jänner 1995 trat Österreich unter Beibehaltung seiner in der Verfassung verankerten Neutralität der EU bei, gemeinsam mit den ebenfalls neutralen nordischen Ländern Schweden und Finnland. Mit dieser vierten Erweiterungsrunde stieg die Zahl der EU-Mitglieder auf 15 an.

12. März 1999
Rund zehn Jahre nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs dehnte sich das westliche Militärbündnis Nato (North Atlantic Treaty Organization) erstmals in die einstige sowjetische Einflusszone aus. Russland hatte dies vergeblich zu verhindern versucht. Die Beitrittsurkunden von Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik, die US-Außenministerin Madeleine Albright auf dem Bild präsentiert, wurden am 12. März 1999 in der Harry-S.-Truman-Bibliothek in Independence (US-Bundesstaat Missouri) unterzeichnet. US-Präsident Truman war 1949 einer der Gründerväter der Nato.

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29. März 2004
Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien treten dem Nordatlantik-Pakt bei. Russland, als ehemalige zweite Weltmacht äußert immer wieder große Bedenken gegen eine weitere Nato-Osterweiterung. Auf das geplante US-Raketenabwehrprogramm in Polen und in Tschechien reagiert Moskau scharf. Bereits unter Präsident Wladimir Putin kommt es zu einer Reihe von Aufrüstungsschüben bei den russischen Streitkräften. Der Georgienkrieg 2008 wurde dann vielfach als "Stoppzeichen" des Kreml an das atlantische Bündnis verstanden. 

1. Mai 2004
Bei der fünften und größten Erweiterung der EU treten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern der Union bei. Nach dem Scheitern des Referendums vom 24. April 2004 in Zypern tritt faktisch nur der südliche (griechische) Teil bei, auch wenn formal ganz Zypern in der EU ist. Vor dem Beitritt, zwischen 1990 und 2004, stellte die EU 13,72 Milliarden Euro für die zehn Länder bereit. Von 2004 bis 2008 wuchs die Wirtschaft in den neuen EU-Ländern um fast 23 Prozent, in den 15 alten EU-Mitgliedern legte sie im gleichen Zeitraum um rund acht Prozent zu. 

1. April 2009
Albanien und Kroatien treten der Nato bei. Auch Mazedonien sollte ursprünglich aufgenommen werden, die Verhandlungen werden jedoch von Griechenland wegen des Namensstreites um Mazedonien blockiert. Mit Bosnien-Herzegowina und Montenegro werden bereits Verhandlungen geführt. Die Nato selbst stuft auch Serbien als Kandidaten ein, doch das Parlament Serbiens verabschiedete 2007 eine Resolution über militärische Neutralität. Dagegen möchte der Kosovo so schnell wie möglich zur Nato - wie auch Georgien, was Russland allerdings dezidiert ablehnt. Auch Nato-Staaten zögern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 4. 2009)

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