Schweinegrippe? Die amerikanischen Zeitungen diagnostizierten am Mittwoch etwas anderes: "Specter fever", ein Fieber, benannt nach dem republikanischen Senator Arlen Specter, der die politische Betriebstemperatur in Washington mit seinem Parteiwechsel durchaus erhöht hat.

Der vom alten Senatsfuchs und nunmehrigen Vizepräsidenten Joe Biden minutiös vorbereitete Coup bringt Präsident Barack Obama enorme politische Vorteile: Mit Specter kämpfen sich die Demokraten an die 60-Sitze-Mehrheit im Senat heran, jene magische Marke, die die neue Regierung um vieles unverwundbarer für republikanische Obstruktionspolitik machen würde. Entscheiden die Gerichte im Sommer, dass auch der letzte ausstehende Senatssitz von Minnesota demokratisch wird, dann ist die Mehrheit perfekt.

Dazu lenkt der fliegende Wechsel die Medienaufmerksamkeit wieder auf das Elend der Republikaner. Der immer mehr nach rechts drifteten Grand Old Party kommen die liberaleren Geister - Specter war einer von drei republikanischen Senatoren, die für Obamas Budget gestimmt haben - abhanden. Ideologische Eiferer haben die Republikaner in Geiselhaft und machen sie für die Mitte zunehmend unwählbar. Die führenden Köpfe der Partei reiben sich in Grabenkämpfen auf, weit und breit ist keine Persönlichkeit in Sicht, die es mit der Strahlkraft Obamas aufnehmen könnte.

Und dieser, mit dem Vorsatz eines überparteilichen Regierens angetreten, kann sich währenddessen - zumindest was die Opposition anlangt - zurücklehnen und darauf warten, bis weitere Republikaner die Seiten wechseln. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.4./1.5.2009)