Dakar - Religiöse Führer im Senegal haben am Mittwoch in Reaktion auf die Haftentlassung von neun Homosexuellen die Gründung einer "Islamischen Front zur Verteidigung ethischer Werte" bekanntgegeben. Bamar Gueye, Leiter der NGO "Jamra", verlas am Ausgang einer Moschee in der Hauptstadt Dakar eine Erklärung, in der von einer "gefährlichen Verschwörung gegen die religiösen Werte" die Rede war, welche die Legalisierung der Homosexualität zum Ziel habe.

Im Senegal sind 95 Prozent der Bevölkerung Muslime. Homosexualität ist offiziell verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Die neun Männer waren in einer Privatwohnung festgenommen und im Jänner u.a. wegen Unzucht und widernatürlicher Handlungen zu insgesamt acht Jahren Haft verurteilt worden. Vor zehn Tagen hob ein Berufungsgericht das Urteil allerdings auf und ordnete die Freilassung der Männer an.

Furcht vor der Geheimlobby

Bamar Gueye erklärte, eine Geheimlobby versuche, die Zustimmung des Senegal zur UNO-Deklaration gegen die Diskriminierung und allgemeinen Entkriminalisierung von Homosexuellen zu erreichen. Mehr als 20 islamische Vereinigung und religiöse Führer hätten sich am Mittwoch getroffen, um eine dauerhafte Struktur ins Leben zu rufen, die dem entgegenwirke. Der Prophet Mohammed habe gesagt: "Wenn euch Leute unterkommen, die dabei sind, die Praktiken des Volkes Lot zu praktizieren, tötet sie."

Mamadou Lamine Diop, der populäre Imam eines Vororts von Dakar, sprach sich kurz darauf vor Journalisten direkt dafür aus, Schwule, die ihre Sexualität ausleben, zu töten: "Das sind Leute, die es verdienen, (...) die Friedhofsstille zu teilen (...) dass sie ganz einfach eliminiert werden." (APA/AFP)