Paducah - Im Prozess gegen einen früheren US-Soldaten wegen Vergewaltigung und anschließender Ermordung eines 14-jährigen Mädchens sowie des Mordes an ihren Familienangehörigen hat ein Kamerad den Angeklagten schwer belastet. Der frühere Unteroffizier Anthony Yribe sagte vor dem Zivilgericht im US-Staat Kentucky am Mittwoch (Ortszeit), der Angeklagte Steven Green habe ihm gegenüber die Tat zugegeben. Das Verbrechen, das Green und seine Kameraden im März 2006 in Mahmudiya begangen haben sollen, hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.

Green droht die Todesstrafe. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit drei anderen US-Soldaten der 101. Luftlandedivision in einem Privathaus das Mädchen vergewaltigt und sie dann mit drei Familienangehörigen erschossen zu haben. Die Tat sei sorgfältig geplant worden und sollte irakischen Aufständischen zur Last gelegt werden, so die Anklageschrift. Ähnliche Fälle gab es unter anderem in Haditha, wo unter ungeklärten Umständen 24 Zivilisten umkamen.

Komplizen verurteilt

Greens Komplizen wurden bereits zu hohen Haftstrafen verurteilt. Anders als seine Kameraden wurde er nicht vor ein Militärgericht gestellt, da die Tat erst nach seinem Ausscheiden aus der US-Armee bekanntgeworden war. Das Verbrechen von Mahmudiya hatte dem Ruf der US-Streitkräfte im Irak empfindlich geschadet.

2004 bekanntgewordene Fotos von Erniedrigungen und sexuellen Demütigungen irakischer Gefangener durch US-Militärangehörige hatten weltweit Empörung hervorgerufen. Auf den Bildern ist unter anderen die Soldatin Lynndie England zu sehen, wie sie lächelnd auf die Genitalien eines Häftlings zeigt und einen Gefangenen an einer Hundeleine führt. Auf den von Wärtern aufgenommenen privaten Fotos waren auch nackte Gefangene zu sehen, die zu einer Pyramide aufgetürmt wurden. Elf US-Soldaten wurden wegen der Vorfälle in Abu Ghraib verurteilt. Der einzige Offizier, der wegen des Folterskandals vor ein Militärgericht gestellt worden war, kam mit einem Tadel davon.

Der US-Senat hat in einem umfangreichen Bericht die brutalen Verhörmethoden aufgezeigt, die in der Ära des früheren Präsidenten George W. Bush unter anderem auch in Abu Ghraib angewandt wurden. Misshandlungen von Gefangenen und brutale Verhörmethoden auf Basis des militärischen Trainingsprogramms Survival, Evasion, Resistance and Escape ("Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht", abgekürzt: SERE) waren laut dem Senatsbericht keine Einzelfälle, sondern Teil eines Systems. (APA/AFP)