Bild nicht mehr verfügbar.

Wer westlich aussieht, wird in das chinesische Spionagemuseum in Nanking nicht zugelassen.

Foto: AP

Peking - In China ist ein neues Spionagemuseum eröffnet worden. Wer als Urlauber bei einem Abstecher in Nanking (Nanjing) das Museum besuchen will, hat aber Pech: die Ausstellung ist für Ausländer geschlossen. "Wir wollen nicht, dass solche sensiblen Geheiminformationen für Ausländer offengelegt werden", erklärte Museumssprecherin Qian, die ihren Nachnamen geheim halten will, am Telefon. "Die meisten Leute, die wir wegschicken, reagieren sehr verständnisvoll, da das ja kein normales Museum ist."

Freilich wirken die Exponate im Zeitalter von Spionagesatelliten und Cyber-Spionage etwas verstaubt. Zu sehen sind etwa eine als Lippenstift getarnte Mini-Pistole, ausgehöhlte Münzen zum Verstecken geheimer Dokumente und ein Taschenrechner, in dem ein Mikrofon verborgen ist. Seit der Eröffnung am 13. April strömen laut Qian täglich über 500 Besucher in das geheime Museum - meist Reisegruppen. Wer westlich aussieht, wird sofort wieder hinausgeschickt. Wer aber "sauber" und chinesisch aussehe, dürfe hinein, und zwar ohne dass normalerweise seine Identität genauer überprüft werde, sagte die Museumsprecherin.

"Tewu" und "Diaochabu"

Chinas Sicherheits- und Nachrichtendienste mit der kollektiven Bezeichnung "Tewu" ("Sonderabteilungen") sind von einer geheimnisvollen Aura umgeben. Eigentliche Schaltstelle des gesamten Überwachungsapparats und Koordinationszentrum der Spionagedienste ist das "Diaochabu" (Ermittlungsbüro) der Hauptverwaltung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. Das "Diaochabu" bildet die Spitze eines vertikalen Kreislaufsystems. Es verwaltet das zentrale Datenarchiv und steuert die Ministerien für Staatssicherheit und Öffentliche Sicherheit sowie die wichtigen ZK-Abteilungen für Internationale Verbindungen, für Agitation und Propaganda und für die volksdemokratische Einheitsfront.

Außerdem kontrolliert es über die Sicherheitssektion der ZK-Militärkommission die Politische Hauptabteilung der Streitkräfte und verfügt über eine bedingungslos ergebene Prätorianergarde, das frühere Elitekorps 8341. Vom Diaochabu abhängig ist auch die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua, deren Auslandsbüros nach westlichen Abwehrerkenntnissen den Spionagediensten als eine der gängigsten Tarnungen dienen.

Seine erste große Niederlage musste der chinesische Geheimdienst 1985 einstecken. Als erster ranghoher Überläufer setzte sich Yu Zhensan, Abteilungsleiter im Staatssicherheitsministerium, in den Westen ab. Kurze Zeit später enttarnte die US-Spionageabwehr den "Maulwurf" Larry Wu Tai Chin, der seit 1948 auf der CIA-Gehaltsliste gestanden war und ab 1952 für Peking gearbeitet hatte. (APA/AP/AFP)