Die Brass-Band Karandila aus Bulgarien hat Hubert von Goiserns Einladung, nach Linz zu kommen, angenommen.

Foto: Linz 09

Der österreichische Musikus Hubert von Goisern ist die Donau abgefahren. Und zwar ordentlich. Für Linz 09. Bis ans Schwarze Meer hinunter, als Botschafter der Kulturhauptstadt Linz. In den letzten beiden Jahren. Wo die blaue Donau nicht hinkam, wurden auch andere Wasser akzeptiert. Irgendwie muss man ja auf so einer Linz-Europa-Tour die Kunde der angehenden Kulturhauptstadt auch bis nach Amsterdam tragen.

2007 hat Goisern auf einer zum Konzertschiff umgebauten Barge begonnen, europäische Länder zu besuchen und sie musikalisch zu beglücken. Das Unterfangen wurde teils mit großer Euphorie, teils auch mit einer gewissen Wurschtigkeit seitens der Heimgesuchten zur Kenntnis genommen - der Standard berichtete.

Wichtig dabei war nicht nur zu zeigen, was für suprige und klasse Musik die Oberösterreicher zusammenbringen: Hubert von Goisern war natürlich auch an den Musiken der von ihm bereisten Destinationen interessiert - eine Grundvoraussetzung für jeden Weltmusiker von Rang.

Modernes Flussabenteuer

Also wurde die Donau entlang nicht nur gastiert und geworben, es wurden vor Ort auch Einladungen zum Mitmusizieren ausgesprochen. In Bulgarien etwa an die Gypsy-Brassband Karandila - oder an die aus Moldau stammenden Zdob ºi Zdub, die in der Ukraine oder in Russland als Stars gelten - dem Eurovision Song Contest von 2005 sei's gedankt.

Insgesamt vier Millionen Euro kostete dieses moderne, klingende Flussabenteuer, ein Drittel davon steuerte die Stadt Linz bei, für ein Drittel lupfte Hauptsponsor Red Bull ein Flügerl, den Rest bestritt Goisern selbst. Nun ist nicht nur die Flussfahrt längst vorbei, zur Halbzeit von Linz 09 wird vom 3. bis 5. Juli mit einem dreitägigen Hafenfest die feuchte Reise Goiserns mit Freunden musikalisch zelebriert.

Martin Heller, Intendant von Linz 09, meint dazu selbstloyal: "Das Hafenfest ist so etwas wie ein europäisches Gipfeltreffen populärer Musik. Hier kommen Ost und West zusammen, auf der Bühne, aber auch auf dem Festivalgelände - eine europäische Erfahrung, die in die Ohren und unter die Haut gehen wird."

Zumindest der erste Satz stimmt so nicht, auch wenn man sich das wünschte. Immerhin aber haben viele der von Goisern besuchten osteuropäischen Bands und Kapellen die Einladung nach Linz angenommen: Erwähnte Karandila und Zdob ºi Zdub ebenso wie der Montenegriner Antonije Pusiæ, der als Rambo Amadeus einen Bastard spielt, den er selbst Turbo-Folk nennt.

Neben vielen osteuropäischen Musikern, die mit etwas folkloristischem Beigeschmack gerade im Westen immer besser reüssieren, als wenn sie westliche Musik einfach nachstellen, sind aus der westlichen Hemisphäre Bands wie die kölschen Mundart-Rocker BAP eingeladen - mit ein Grund, warum Martin Heller irrt. Willi Resetarits und sein aktueller Stubnblues mag beim Publikum gut ankommen - das Wort Gipfeltreffen sollte man vielleicht dennoch und ganz der Politik überlassen.

Ein bisserl mitspielen

Zu weiteren Gästen zählen der bayrische Kauz Haindling, der Liedermacher Konstantin Wecker oder der deutsche Jazzer Klaus Doldinger. Goisern wird an allen drei Abenden ebenfalls auf der Bühne stehen - und sich dann und wann von diversen Gästen verführen lassen, ein bisserl wo bei wem mitzuspielen. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.4./1.5.2009)