Soundwände im Schottenkaro: Mogwai, erhabene wie maulfaule Klang-künstler, gastieren Ende Mai beim Linz-Fest 09.

 

Foto: Pias

Ohne ein zünftiges Fest geht heute ja eigentlich gar nichts mehr. Und es gibt wahrlich geringere Anlässe als den Zustand der Kulturhauptstadt, um einmal ordentlich abzufeiern. Da bleibt die schwere Kost einmal außen vor, da knallen die Korken, da platzt die Wurst, da dürfen auch einmal die nicht so hohen Bedürfnisse befriedigt werden - in kulturell angehauchtem Rahmen, versteht sich.

Das Linz-Fest 09 bietet exakt diese Gelegenheit drei Tage lang, vom 30. Mai bis 1. Juni im Donaupark. Während Hubert von Goiserns Hafenfest eher auf die schon etwas fortgeschrittenen Jugendlichen in Nähe des zweiten Frühlings ausgerichtet ist, wendet sich das Linz-Fest 09 der jüngeren Jugend zu. Schon der Umstand, dass es eine FM4-Bühne gibt, umreißt das Zielpublikum etwas genauer. Auf ebenjener werden am Eröffnungstag Kreisky, Jan Delay & Disko No. 1, Client und The Whitest Boy Alive zu sehen sein.

Kreisky spielen harten Punkrock, der mit deutschsprachigen Texten versehen wurde, denen eine gewisse Unzufriedenheit mit diversen Widrigkeiten des Daseins deutlich bis überdeutlich anzumerken ist. Franz Adrian Wenzel - auch bekannt als schillernder Freddie-Mercury- und Austro-Pop-Meuchler Austrofred, steht Kreisky vor. Das Liveprogramm wird sich aus den beiden bisher erschienenen, sehr guten Alben der Band zusammenstellen.

Vor dem Hauptact, dem durch die Nase singenden norddeutschen Charmebolzen Jan Delay, der mit seiner Funk-Combo Disko No. 1 den Park im Schein einer Discokugel erleuchten lassen wird, ist auch die Band The Whitest Boy Alive zu sehen, ein norwegisch-deutsches Musikunternehmen, das sich aktuell einem partytauglichen Funk widmet, dessen Charme auch eine gewisse Steifheit um die Hüften auszeichnet.

Zwei weitere Höhepunkte bietet der erste Abend: In der Nightline der Stadtwerkstatt wird das Peter Brötzmann Chicago Tentett einen Jazz-Exorzismus veranstalten. Und auf der Ö1-Casino-Linz-Bühne beim Lentos-Museum ist eine der besten Bands zu erleben, die Österreich zu bieten hat. Leider weiß Österreich das (fast) gar nicht.

L'amour-Hatscher

Drei stattliche Söhne der Stadt Linz haben sich als Los Torpedos zusammengetan, um dem Fernweh ihrer Herzen mittels eines transatlantischen Austauschprogramms Ausdruck zu verleihen, in dem der Blues, die Damen, der Rausch und die Gründe, warum das alles immer irgendwie zusammenhängt, tragende Rollen spielen. Los Torpedos interpretieren mit Tuba, Schlagzeug und Gitarre Immergrünes aus fremden Federn Richtung Blues, Walzer und L'amour-Hatscher. Knietief im Herzblut, versteht sich. Leicht möglich, dass sich in das Odeur der Donau an diesem Abend ein Hauch des Mississippi einschleicht.

Auch nicht nichts sind Mogwai, die am zweiten Abend auf der Radio-OÖ-Bühne ihre Soundwände errichten werden. Die schottische, eher maulfaule Band (gesungen wird nur, wenn's wirklich sein muss) steht in der Tradition großer Gitarren-Innovatoren wie Glenn Branca oder den frühen Sonic Youth, beides New Yorker Vorzeigeschüler des Fachs.

Mogwai überführen den heiligen (Gitarren-)Lärm ebenso in ihre Kompositionen wie Phil Spectors Wall-of-Sound-Ästhetik. In ihren oft episch angedachten Stücken haben aber auch Ruhephasen und Melodien ihren Platz, was der Dramatik der Arbeiten nicht schlecht ansteht.

Seit einigen Jahren schon zählen Mogwai deshalb zu den bekanntesten Vertretern einer atmosphärisch aufregenden Rockmusik, zu denen neben ihnen auch die Isländer von Sigur Rós gehören. Konzerte von Mogwai erscheinen angesichts oft und gerne vernachlässigter Song-Enden als mäandernde Vorstellung intensiver Sounds, die auf voller Länge genossen eine hypnotische Sogwirkung entfachen können. Wie sagt man am Gitarrenamt: This is heavy shit!

Heimspiel für Attwenger

Selbiges gilt, wenn auch ganz anders, für die beiden Jungs von Attwenger - Hans Peter Falkner und Markus Binder -, die sich beim Linz-Fest 09 mit einem ihrer begnadeten Drums-and-Quetsche-Sets die Ehre geben werden. Ein Heimspiel, logisch.

Nach zwei Abenden mit umfangreichem Programm auf mehreren Bühnen lässt man das Linz-Fest am Montag sanft ausklingen. Die Ruhe nach dem Sturm, quasi. Ein Kulturpicknick mit Musik europäischer Kulturhauptstädte sowie Lesungen von Dirk Bernemann und Christine Rösinger bietet die Radio-OÖ-Linz-AG-Bühne, im Musikpavillon gibt es Talenteshows für Kids sowie einen Pantomime-Workshop. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.4./1.5.2009)