Gyula Harangozo

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Wien - Unter dem Motto "getanzte Weltliteratur" geht das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper 2009/10 mit vier Premieren in die letzte Saison von Direktor Gyula Harangozo. Neben einer Ballettfassung von "Carmen" (21.11.) von Davide Bombana in der Volksoper will man sich nun auch modernerer Stücke annehmen und zeigt die Jorma Elo-Uraufführung "Ein Sommernachtstraum" ab 30. März in der Staatsoper. In der aktuellen Saison konnte die Auslastung von 90 Prozent vom Vorjahr gehalten werden, bis zum Sommer rechnet man mit insgesamt 130.000 bis 140.000 Besuchern.

Nicht zuletzt auf die klassische Programmauswahl führt Harangozo die hohe Auslastung zurück - vor allem "Mayerling" habe sich in der aktuellen Saison als Publikumsschlager erwiesen. "Bekannte Titel lassen sich einfach leichter verkaufen", so der Ballettchef am Mittwoch bei der Saisonpressekonferenz. Eine solche "Vorsicht" bei der Programmierung sei in den ersten Jahren in der Konstruktion als Ballett von Staats- und Volksoper sehr wichtig gewesen - "aber nun können wir uns in die Moderne wagen".

"Neue Welt des Balletts" heißt die erste Premiere am 15. September und versammelt in sechs kurzen Stücken zwar hauptsächlich Wiederaufnahmen, allerdings von Namen wie Myriam Naisy (Premiere von "Ederlezi"), Jorma Elo (Wiederaufnahme von "Glow - Stop"), William Forsythe (auch der "Singerland Pas de Deux" als Wiederaufnahme) und Jiri Kylian (sowohl "Petite Mort" als auch "Sechs Tänze" waren bereits an der Staatsoper). Vom eigenen Compagnie-Mitglied Andras Lukacs gibt es die Uraufführung von "Duo" zu Musik von Max Richter.

Der Mailänder Davide Bombana inszeniert in der Volksoper die Langfassung seines bisherigen Einakters "Carmen" nach Georges Bizet, "da ist musikalisch viel Neues dabei", betonte Harangozo, in seiner Choreographie sei Bombana allerdings "am Klassischen orientiert". Ganz anders Jorma Elo, der seinen "Sommernachtstraum" nach Shakespeare und Felix Mendelssohn Bartholdy in eine Ausstattung von Sandra Woodall setzen wird, die sich "das Innere des menschlichen Körpers" zum Vorbild nimmt.

Zum Abschied von seiner Compagnie gestaltet Harangozo selbst am 29. Juni eine "Ballett Gala" in der Volksoper. "Das Programm steht noch nicht fest, aber ich möchte den Tänzern der Compagnie und den Gastsolisten, die in meiner Amtszeit oft hier waren, Gelegenheit geben, sich zu präsentieren." Ab Herbst 2010 übernimmt dann Manuel Legris die Leitung des Wiener Balletts. "Ich halte das für eine gute Wahl", so Harangozo: "Er hat einen sehr guten Namen als Tänzer, wie er sich in der Leitung macht, wird man sehen." Er selbst habe bisher wenig mit Legris zu tun gehabt, in Wien sei er bisher nur einmal kurz vorgestellt worden. "Aber bald werden wir den Übergang gemeinsam planen." Für seine eigene Zukunft hat Harangozo noch keine konkreten Pläne. "Es gibt einige Möglichkeiten, aber nach 15 Jahren als Ballettdirektor könnte ich mir auch eine Auszeit vorstellen". (APA)