Genf - Der Franzose Pascal Lamy steht für weitere vier Jahre an der Spitze der Welthandelsorganisation (WTO). Der 62-jährige ehemalige EU-Handelskommissar wurde am Donnerstag in Genf einstimmig in seinem Amt bestätigt. Erstmals in der Geschichte der WTO gab es keinen Gegenkandidaten. Zuvor hatte es oft erbitterte Kämpfe um die Spitze der Organisation gegeben.

Den als ausdauernd geltenden Politiker sehen Beobachtern als Idealbesetzung an der Spitze der WTO mit ihren 158 Mitgliedern, die teils konträre Interessen verfolgen. Trotzdem war es dem Franzosen in seiner vierjährigen Amtszeit nicht gelungen, Fortschritte bei der Liberalisierung des Welthandels zu erreichen.

So ist nach über acht Jahren weiter kein Durchbruch bei der sogenannten Doha-Runde erreicht. Dabei versuchen die WTO-Mitglieder, Zölle und andere Handelsschranken für den Handel mit Agrarprodukten oder Industriegütern abzubauen. Dadurch soll nach Ansicht der Welthandelsorganisation der Welthandel in Schwung kommen und mehr Wohlstand für alle Menschen erreicht werden.

Zuletzt warnte Lamy die WTO-Mitglieder allerdings vielmehr davor, wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise ihre Märkte wieder stärker abzuschotten. "Ich bin sicher, dass die nächsten vier Jahre schwierig sein werden", sagte Lamy am Donnerstag nach seiner Wiederwahl vor den Vertretern der Mitgliedsländer. "Aber ich bin mir sicher, dass wir diesen Sturm unbeschadet überstehen werden."

Der eingefleischte Sozialist Lamy wurde 1947 in der Nähe von Paris geboren. Als Absolvent mehrerer französischer Eliteschulen begann er seine Karriere in der Finanzverwaltung. Später wurde er ein enger Mitarbeiter französischer Minister und Premierminister. Nach einem Zwischenspiel bei der Bank Credit Lyonnais in den 90er Jahren avancierte er 1999 zum EU-Handelskommissar. 2005 rückte er als Nachfolger des Thailänders Supachai Panitchpakdi an die WTO-Spitze. (APA)