Die Lage der Pressefreiheit in Russland sei heute auf Tiefpunkt seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Seit der Machtübernahme durch Wladimir Putin hat sich die Situation der Pressefreiheit drastisch verschlechtert, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) Österreich in einer Mitteilung am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit am 3. Mai.

Seit 2000 seien in der Russischen Föderation 118 Journalisten ermordet worden. Außerdem seien über 450 Fälle von Attentaten auf Journalisten, die diese nur knapp überlebten, verübt worden. "Der Einsatz von Schlägern und Auftragsmördern gegen missliebige kritische Journalisten gehört in Russland zum Alltag", hieß es in der Aussendung. Die IGFM will dazu jetzt nach eigenen Angaben einen Bericht, der Menschenrechtsverletzungen gegenüber Journalisten in Russland aufzeigt, veröffentlichen.

Während einer Pressekonferenz Mitte März, bei der Menschenrechtler über die Situation in russischen Gefängnissen berichten wollten, sei Orchan Dschemal, Journalist der russischen Newsweek, zusammengeschlagen worden und das "Unabhängige Pressezentrum" in Moskau mit Hassparolen beschmiert worden. Verantwortlich für die Übergriffe waren nach Informationen der IGFM Gefolgsleute von Sergej Abelzew, Beauftragter des Föderalen Justizvollzugsdienstes Russlands (FSIN) bei der Staatsduma.

Am 5. März 2009 sei Vadim Rogoschin, Generaldirektor der Medien-Holding "Wsgljad" (Blick) in Saratow vor dem Eingang seines Hauses von Unbekannten angegriffen worden, die auf ihn eingeschlagen haben sollen. Rogoschin lag einen Monat lang im Koma, aber überlebte laut IGFM. Die Zeitung und Nachrichtenagentur der Medien-Holding hätten regelmäßig über Korruption in den Reihen der örtlichen Machthaber berichtet. Nach dem Attentat sei auf Anordnung der Saratower Staatsanwaltschaft die gesamte Buchhaltung der Medien-Holding beschlagnahmt und die  Zahlungsunfähigkeit erklärt worden.

Jurij Gratschew, Chefredakteur der oppositionellen Zeitung "Solnetschnogosker Forum" (Moskau), musste der Mitteilung zufolge im Februar 2009 seine Redaktionssitzungen im Krankenhaus abhalten. Nachdem die Zeitung illegale Machenschaften eines Moskauer Bezirkschefs veröffentlichte, sei der Journalist von Unbekannten bewusstlos geschlagen und seiner Unterlagen beraubt worden. Ende März 2009 habe das gleiche Schicksal den Journalisten Maxim Solotarew von der regierungskritischen Regionalzeitung der Stadt Serpuchow ereilt. Kurz zuvor habe ein Milizbeamter den Fotokorrespondenten der "Jekaterinburg-News", Jurij Bask, verprügelt, und dessen Kamera zerstört. (APA)