Bonn - Der globale Wirtschaftseinbruch hat der Deutschen Post DHL im ersten Quartal 2009 deutliche Einbrüche bei Umsatz und operativem Ergebnis beschert. Besonders schmerzlich für den Konzern sind Einbußen im Briefsegment, das bisher fast drei Viertel der Post-Gewinne einbringt. Nach Steuern fiel der Gewinn dank einer höheren Bewertung der Postbank-Verkaufsoptionen allerdings mehr als doppelt so hoch aus. Post-Vorstandschef Frank Appel reagiert mit drastischen Sparplänen: Unter anderem sollen die Briefträger für den gleichen Lohn länger arbeiten.

Die Deutsche Post will sich nach Jahren milliardenschwerer Expansionen auf organisches Wachstum konzentrieren. Konzernchef Appel sagte am Mittwoch, der Konzern habe kein Angebot für einen Anteil an der britischen Royal Mail eingereicht, den die Regierung in London verkaufen will. Er bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Finanzkreisen. Auf die Frage, ob der Bonner Konzern an einem Einstieg bei der österreichischen Post interessiert sei, sagte Appel, die Post setze auf Wachstum aus eigener Kraft.

"Beispielloser Nachfrageeinbruch"

Die Post habe mit einem "beispiellose Nachfrageeinbruch über alle Regionen und Branchen hinweg" zu kämpfen, erklärte der Konzern am Mittwoch in Bonn. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,9 Prozent auf 11,5 Mrd. Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank vor Einmaleffekten um 42,1 Prozent auf 312 Mio. Euro.

Unter Berücksichtigung von Einmalbelastungen vor allem aus der Aufgabe des Inlandsgeschäfts der Express-Sparte DHL in den USA sackte das Ebit sogar um 95 Prozent auf 27 Mio. Euro. Der ausgewiesene Konzerngewinn wuchs dennoch um 146,5 Prozent auf 944 Mio. Euro.

Im wichtigen Brief-Segment sank der Umsatz um 4,5 Prozent auf 3,4 Mrd. Euro, das EBIT ging um 25,5 Prozent auf 407 Mio. Euro zurück. Appel bekräftigte bei einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main seine Forderung, die Arbeitszeit von derzeit 38,5 Stunden für die 80.000 Briefträger ohne Lohnausgleich zu verlängern. "Wir können nicht einfach abwarten, wie sich die Dinge entwickeln", sagte er. Es handle sich nicht um vorübergehende Nachfrageprobleme wie bei der Autoindustrie, sondern um ein strukturelles Problem. In der "Bild"-Zeitung drohte Appel mit Entlassungen, falls keine Einigung mit der Gewerkschaft ver.di zu erzielen sei.

Gewerkschaft wehrt sich

Ver.di-Chef Frank Bsirske wies die Pläne bereits scharf zurück. Die Forderung sei "in keiner Weise gerechtfertigt, schließlich ist das Briefgeschäft nach wie vor der größte Profitbringer für die Post", sagte Bsirske der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die Gewerkschaft verweist zudem auf geltende Tarifverträge, die betriebsbedingte Kündigungen bis Mitte 2011 ausschließen. Sie lehnt auch Überlegungen ab, die für Dezember vorgesehene Lohnerhöhung um 3 Prozent ausfallen zu lassen.

Auch in den anderen Post-Segmenten waren die Umsätze rückläufig: bei Express um 25,9 Prozent, bei Fracht um 18,2 Prozent und bei der Logistik um 6 Prozent. Appel sieht allerdings Anzeichen, dass die Talsohle der Rezession langsam erreicht sein könnte. Die Beförderungszahlen seien nicht weiter gesunken. Bei der Seefracht gebe es im März sogar schon wieder ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr.

"Möglicherweise ist der Tiefpunkt erreicht", erklärte Appel. "Wir wissen aber nicht, ob der Aufschwung in einem Tag, einem Monat oder einem Jahr kommt. Wir sind noch sehr vorsichtig."

Anders als bei Vorlage der Bilanz Ende Februar wagte er eine positive Prognose für das Gesamtjahr 2009: Nach dem Verlust von knapp 1,7 Mrd. Euro im vergangenen Jahr erwartet der Konzern wieder schwarze Zahlen. Einerseits wirke sich der Verkauf der Postbank positiv aus, sagte Appel. Andererseits dürfte der Rückgang im operativen Ergebnis (EBIT) in der zweiten Jahreshälfte deutlich geringer ausfallen als im ersten und voraussichtlich auch noch im zweiten Quartal, auch, weil schon eingeleitete Sparmaßnahmen Wirkung zeigen würden. (APA/AP/Reuters)