Wien - Beim Thema Kindergarten ist es ein bisschen wie beim Fußball - alle wissen, wie es gehen könnte. Ein neuer Vorschlag, wie zusätzlicher Raum für Betreuungsplätze geschaffen werden könnte, kommt nun von der Wiener ÖVP. Für ein flächendeckendes Angebot für alle Null- bis Sechsjährigen gebe es derzeit 4500 Kindergartenplätze zu wenig, rechnet Landesgeschäftsführer Norbert Walter vor. Auch wenn bis Herbst 2000 Plätze geschaffen werden, "fehlen noch 2500" .
Walters Ausweg: "Die Stadt Wien beziehungsweise das Wohnservice Wien sollten ihre leerstehenden Geschäftslokale zur Verfügung stellen." Diese könnten, falls sie geeignet sind, adaptiert werden und zu einem "vernünftigen Zins, der auch gestundet werden könnte" , vermietet werden. Von den insgesamt 5590 Büros, Ateliers, Geschäftslokalen und Ordinationen, die Wiener Wohnen verwaltet, stünden rund 240 leer, "100 würden sich bestimmt für den Ausbau zu Kindergruppen eignen" , sagt Walter.

"Unkoordiniert" 

Auf wenig Begeisterung stößt die VP-Idee freilich beim zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch (SP). "Panikmache und unkoordiniertes Vorgehen sind nicht angebracht" , sagt Oxonitsch. Im gestrigen Gemeinderatsausschuss wurde die Schaffung von 2000 Plätzen bewilligt, weitere 200 Plätze sollen noch dazukommen. 13 Millionen Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand. Ausgebaut werden vor allem private Einrichtungen von Betreibern wie Kinder in Wien, Kinderfreunde, Hilfswerk oder Caritas.

Wer in Wien einen Kindergarten betreiben möchte, kann übigens gemeinsam mit der MA11, die als zuständige Behörde Kindergärten genehmigt, im Voraus abklären, ob die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten überhaupt geeignet sind. "Wenn etwa kein zweiter Fluchtweg vorhanden ist, scheidet das Objekt von vornherein aus" , sagt Helga Trögl von der MA11. Ziel dieses Angebotes sei, dass Betreiber nicht in Räumlichkeiten investierten, die von der Behörde gar nicht genehmigt werden könnten. (Bettina Fernsebner-Kokert/ DER STANDARD-Printausgabe, 7.Mai 2009)