Der Hintersee.

Foto: Österreich Werbung / Mallaun
Grafik: DER STANDARD

Über die steilen Wände des Grießbachkessels in der östlichen Flanke des Wieserhörndls im Salzburgischen donnern in jedem Winter tausende Tonnen Schnee und türmen sich dort zu einem mächtigen, weißen Wall auf, der nicht selten die Höhe eines sechsstöckigen Hauses erreicht. Meist erst im Sommer tauen die letzten Reste dieser Schneemassen weg. Beim Schmelzen bilden sich Eis- und Firnhöhlen, sowie Schneebrücken, aus denen Baumstrünke und Felsbrocken herausragen, welche durch Lawinen mitgerissen wurden. Ein schauriges und zugleich imponierendes Zeugnis der Naturgewalten, die da am Werk waren

Der Tobel heißt dort Eiskapelle und lockt im späteren Frühjahr immer wieder Besucher an. Manche halten sich nicht an das Betretungsverbot und lassen es nicht beim Bewundern des Phänomens aus der Ferne bewenden, sondern dringen bis zu den Eishöhlen vor, was lebensgefährlich sein kann. Erst vor drei Jahren kam ein Eiskletterer zu Tode, als eine Firnbrücke unter seiner Last einbrach.

Die faszinierende Szenerie der Eiskapelle lässt sich mit einer Runde um den Hintersee verbinden, was eine anregende und höchst interessante Kombination von Naturschönheiten und Naturgewalten, von Romantik und Wildheit ergibt. Allerdings nur noch ein paar Wochen, denn dann sind die letzten der Lawinenkegel dahin.
Der Hintersee, gespeist von der Taugl, ist wie viele Gewässer dieser Region ein Relikt der letzten Eiszeit und wird wohl in ein paar Tausend Jahren verlanden und damit verschwinden. Derzeit - und sicherlich noch lange - ist er ein idyllisches Gewässer, eingebettet in ein liebliches Tal, flankiert von steilen Erhebungen.

Die Tour ist leicht und abwechslungsreich, der Weg rund um den See hat keine Steigungen aufzuweisen, man muss nirgends in eine Flanke ausweichen. Lediglich beim Anstieg zur Eiskapelle sind etwa 250 bis 300 Höhenmeter zu überwinden, der Weg ist allerdings nicht steil.

Die Route: Vom Seeufer bei Vordersee quert man den Almbach - den Ausfluss des Hintersees - und wandert am westlichen Ufer auf einem breiten Weg, der einst die Trasse einer Waldbahn war. Vorbei an der Ausleitung zu einem Kraftwerk und an Informationstafeln über die Holzbringung erreicht man das obere Ende des Sees. Man behält die Richtung bei, passiert große Holzlagerplätze und gelangt schließlich zu den Häusern von Langreith, wo man sich rechts hält und in das schmale Tal des Grießbachs aufsteigt. Ohne Mühe kommt man zur Eiskapelle, die man aus gehöriger Distanz betrachtet. Ab Vordersee 1½ Stunden.

Nun zurück nach Langreith und bis zum oberen See-Ende, dort hält man sich rechts und beendet die Umrundung des Gewässers. Gehzeit ab Eiskapelle 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/9./10.5.2009)