Wien - Der Ex-Chef der Kommunalkredit, Reinhard Platzer, fühlt sich von seinem ehemaligen Arbeitgeber ungerecht behandelt und hat nun eine arbeitsrechtliche Klage eingebracht. In einem Interview mit der "Wiener Zeitung" (Donnerstagausgabe) sagt er: "Nachdem bis zuletzt keine Gesprächsbereitschaft vonseiten der Bank gegeben war, habe ich nun eine Klage eingebracht. Nach mehreren internen und externen Prüfungen liegt meines Wissens nach nichts vor, was ein pflichtwidriges Verhalten von mir bedeuten würde. "

Die Klage sei der einzige Weg, um Klarheit zu schaffen und den Vorwurf der Pflichtverletzung aus der Welt zu schaffen. Zur Höhe des eingeklagten Betrags meint er, es sei "kein kleiner Betrag, die Klage enthält immerhin Ansprüche aus 25 Jahren Tätigkeit für die Bankengruppe". Er bleibe aber gesprächsbereit und stehe für einen Vergleich zur Verfügung: "Mir geht es primär um meinen guten Ruf. Um das zu unterstreichen, werde ich nach Abschluss der rechtlichen Auseinandersetzungen Armutsbekämpfungsprojekte in Österreich massiv unterstützen."

Zur Frage wieweit der Vorstand Schuld an den Problemen der Kommunalkredit habe, sagt Platzer im Interview: "Es hat dichte Genehmigungsprozesse im Konzern gegeben. Hat im Kreditausschuss des Aufsichtsrats, der von Volksbank und Dexia gestellt wurde, jemand Einwände gehabt, wurde das jeweilige Geschäft nicht durchgeführt. Die vorgenommenen kreditausschusspflichtigen Finanzierungen sind alle einstimmig genehmigt worden."

"Ungerecht behandelt"

Zur Frage, dass man ihn dennoch im November 2008 unter Verlust sämtlicher Ansprüche entlassen habe und ob er sich ungerecht behandelt fühle sagt Platzer: "Schon. Das kann ich so nicht akzeptieren."

2008 habe die Kommunalkredit jedenfalls sehr vorsichtig bilanziert. Dass die Bank ohne Staatshilfe 2008 einen Verlust von 2,66 Mrd. Euro eingefahren hätte, kommentiert Platzer so: "Die Verluste sind zum größeren Teil Bewertungsverluste und nur zum kleineren Teil tatsächliche Ausfälle wegen Pleiten wie von Lehman Brothers und den isländischen Banken. Ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Verlustes beruht auf einer sehr vorsichtigen - und keineswegs zwingenden - Art der Bilanzierung." Der größte Bewertungsverlust komme aus dem Bereich der Credit Default Swaps (CDS). Hier habe sich die Kommunalkredit - im Unterschied zu anderen österreichischen Banken - entschlossen, eine Bewertung zum Marktwert durchzuführen. Eine Wertberichtigung könnte auch erst dann erfolgen, wenn die Garantie tatsächlich schlagend wird, so der Ex-Chef der Bank. Das Risiko dafür sei - bei 90 Prozent Garantien gegenüber Staaten wie Deutschland, Frankreich und Polen - "überschaubar".

Bilanzierungsmethode

Die Bilanzierungsmethode sei eine strategische Entscheidung der Organe gewesen. Im Endeffekt bedeute das, dass - wenn es keine größeren Ausfälle gibt - etwa 1 Mrd. Euro aus CDS-Bewertungen über die Restlaufzeit der Papiere wieder als Gewinn in die Bilanz zurückkomme.

Das Geschäftsmodell der Kommunalkredit sei mit den damaligen Eigentümern Volksbank AG und Dexia abgestimmt gewesen, Investitionen nur in Papiere mit bester Bonität erfolgt. Jeder dafür vorgesehene Geschäftsabschluss sei den zuständigen Gremien vorgelegt worden. Zum Thema Zypern-Tochter, deren Wertpapiergeschäfte für Wirbel gesorgt haben, sagte Platzer, diese sei auch von der Konzernrevision der Volksbank mehrmals geprüft worden. Und: "Zu den Liquiditätsproblemen im Oktober 2008 wäre es auch gekommen, hätten wir als reiner Kommunalfinanzierer agiert: Der Kapitalmarkt war tot, eine Refinanzierung für eine Bank ohne Spareinlagen schlagartig nicht mehr möglich."

Zum breiteren Geschäftsmodell meinte Platzer auch, dass die Eigentümer bestimmte Ertragserwartungen gehabt hätten: "Es hat Planungssitzungen gegeben, die vom Volksbank-Vorstand geleitet worden sind. Dabei sind gelegentlich auch unsere Gewinnziele nach oben korrigiert worden, die dann nur durch höhere Volumina erreichbar waren." (APA)