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Heiner Brand wie man ihn in Deutschland kennt und liebt. Mit Politik hat er eigentlich gar nichts am Hut. Sein Abstecher in die für ihn unbekannte Welt hat aber einiges Aufsehen erregt.

Foto: AP/Axel Heimken

Handball der Spitzenklasse und ein voller Schnauzer: Bekannt war Heiner Brand bisher vor allem dafür. Der 56-Jährige ist ehemaliger Spieler und Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Für die kommende Wahl des Bundespräsidenten am 23. Mai berief ihn die SPD zum Wahlmann. Kurz nach seiner Entsendung in die Bundesversammlung ließ der prominente Sportler damit aufhorchen, dass er sich nicht auf die rote Kandidatin Gesine Schwan festlegen lassen möchte. "Ich habe eigentlich nie gesagt, dass ich Frau Schwan wählen will", sagte Brand Mitte April in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Die Kandidatin, der wenig Chancen gegen ihren Kontrahenten und amtierenden Präsidenten Horst Köhler eingeräumt werden, gibt sich gelassen. Laut "Spiegel" will sie Brand sowie eine Reihe weiterer möglicher Abweichler noch einmal persönlich auf deren Aussagen ansprechen. Mit derStandard.at sprach Brand darüber, warum er sich weiterhin nicht öffentlich zu seiner Entscheidung äußern möchte.

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derStandard.at: Sechs deutsche Meistertitel als Spieler, drei als Trainer, einmal Weltmeister als Spieler, einmal als Trainer: Sie sind ein überaus erfolgreicher Handballer-Spieler und -Trainer. Warum plötzlich Politik?

Heiner Brand: Das kann ich selbst nicht sagen. Ich bin von der Landtagsfraktion der SPD Nordrhein-Westfalen gefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe zugesagt und bin so dann einmalig in die Politik gerutscht.

derStandard.at: Haben Sie selbst irgendwelche politischen Ambitionen?

Heiner Brand: Nein, ich verwirkliche meine eigenen Ambitionen im Sport. Ich interessiere mich schon für Zeitungen, das Tagesgeschehen und lese auch gerne mehr darüber, wenn es die Zeit irgendwie zulässt. Aber ich engagiere mich nicht politisch. Ich bin weder Mitglied einer Partei, noch habe ich mich je hinsichtlich meiner Gesinnung in der Öffentlichkeit geäußert.

derStandard.at: Sie haben dennoch jüngst mit dem Bekenntnis überrascht, nie gesagt zu haben, dass Sie Gesine Schwan wählen würden. Werden Sie sie wählen?

Heiner Brand: Ich werde mich weiterhin weder vor noch nach der Wahl dazu äußern. Das habe ich noch nie gemacht und werde es auch weiterhin nicht tun, auch wenn ich jetzt als Wahlmann engagiert bin.

derStandard.at: Sie wissen also noch nicht, wen Sie wählen werden?

Heiner Brand: Ich werde sicherlich noch einmal alles ruhig überdenken. Ich bin mir der Verantwortung durchaus bewusst, die ich mit dieser Tätigkeit übernommen habe. Deswegen werde ich mir noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen. Wenn man nicht wie die Parteimitglieder an Fraktionen gebunden ist, ist es Pflicht für jeden, das dementsprechend seriös anzugehen.

derStandard.at: Wie hat die SPD auf Ihre Aussage reagiert? Immerhin haben Sie damit doch einwenig Wirbel ausgelöst ...

Heiner Brand: Ja, aber das ist nicht mein Problem. Ich habe weder gesagt, dass ich Frau Schwan nicht wähle, noch dass ich Herrn Köhler wähle. Ich habe nicht mehr gemacht, als zu sagen, dass ich meine Wahl nicht öffentlich bekannt machen werde.

derStandard.at: Dabei scheinen Sie nicht der einzige zu sein. Frau Schwan soll laut „Spiegel" mit potentiellen Abweichlern Gespräche geführt haben. Mit Ihnen auch?

Heiner Brand: Nein, aber wir werden uns noch unterhalten. Darauf bin ich auch schon sehr gespannt. Ich denke, ich werde eine interessante Persönlichkeit kennen lernen.

derStandard.at: Parteichef Franz Müntefering betonte, dass Schwan „unsere Kandidatin ist" und dass die SPD-Wahlleute einstimmig für sie wählen werden. Glauben Sie das auch?

Heiner Brand: Ich kann ihre Chancen nicht beurteilen.

derStandard.at: Öffentliche Unterstützungserklärungen werden in der Regel dann abgegeben, wenn der Verdacht aufkommt, dass die Unterstützung tatsächlich auf wackeligen Beinen steht ...

Heiner Brand: Ich denke, es wird eine sehr knappe Geschichte. Abgesehen davon habe ich gelesen, dass es oft die Politiker selbst waren, die letztendlich jemand Anderem ihre Stimme gegeben haben, und nicht die externen Wahlmänner.

derStandard.at: Die Auswahl der Wahlmänner für die Bundesversammlung wirkt wie das Fischen nach möglichst bekannten und beliebten Prominenten. Warum fiel die Wahl auf Sie?

Heiner Brand: Das habe ich mich auch schon gefragt, aber ich bin noch zu keiner Lösung gekommen. Ich denke, weil ich in der Öffentlichkeit stehe und als Persönlichkeit sicherlich irgendwie anerkannt bin. Und die SPD, die mich sozusagen engagiert hat, hat scheinbar gedacht, dass ich da sehr gut zu ihnen passen würde.

derStandard.at: Würde der Bundespräsident direkt gewählt werden, wäre Schwan chancenlos, sagen Umfragen. Laut der jüngste Befragung würden 70 Prozent für Köhler stimmen. Wie erklären Sie sich das?

Heiner Brand: Das kann ich nicht beurteilen, ich hab Frau Schwan noch nicht persönlich kennen gelernt. Andere, die sich dazu geäußert haben, kennen sie schon besser und kennen auch mehr Hintergründe. Ich werde mir nach unserem Gespräch eine Meinung bilden.

derStandard.at: Den amtierenden Amtsinhaber Köhler haben Sie bereits kennen gelernt ...

Heiner Brand: Ja, ich habe unter anderem auch von ihm das Bundesverdienstkreuz (Für die internationalen Erfolge der deutschen Handball-Nationalmannschaft, Anm.) erhalten. Er hat auf mich einen sympathischen Eindruck als Mensch gemacht. Er hat sicherlich auch als Bundespräsident, der ja früher eigentlich „Bankmanager" war, sehr gute Entwicklung genommen und er präsentiert sich sehr gut. Ich kann eigentlich nur Positives über ihn sagen.

derStandard.at: Die SPD hat Sie auch deshalb als möglichen Abweichler bezeichnet, weil Sie sich bereits öffentlich positiv über Köhler geäußert haben. Außerdem sind Sie eines der Aushängeschilder der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", einer wirtschaftsliberalen Initiative, der neben zahlreichen Industriefunktionären auch die ehemalige CDU-Präsidentschaftskandidatin Dagmar Schipanski angehört. Inwiefern würden Sie sich selbst als konservativ einstufen?

Heiner Brand: Ich bin sicher irgendwo konservativ in meiner persönlichen Haltung, was Werte wie Nähe zur Familie und Beständigkeit betrifft. Aber ansonsten bin ich oft auch durchaus etwas progressiver. Wegen der Nähe zur Initiative: Ich sehe darin keinen Widerspruch. Soziale Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard ist in meinen Augen nach wie vor eine positive Sache. Ich denke, das sehen die großen Parteien in Deutschland ebenso - von der Linken will ich mal absehen, weil die für mich eigentlich nur am Rande existiert.

derStandard.at: Schwan kann nur auch mithilfe der Linken die nötige Mehrheit erhalten. Ihr Werben um diese Stimmen hat SPD-intern für Diskussionen gesorgt hat ...

Heiner Brand: Da werden Frau Schwan und ich sicherlich noch über einige Sachen im persönlichen Gespräch reden. (lacht). Und dann werde ich mir ein Urteil darüber erlauben.

derStandard.at: Union und FDP sind sich ziemlich sicher, dass keiner aus den eigenen Reihen ausschert. Wäre die Wiederwahl Köhlers ein Signal für eine schwarz-gelbe Koalition nach der Bundestagswahl?

Heiner Brand: Ich sehe das schon losgelöst davon.

derStandard.at: Was halten Sie von dem Kandidaten der Linken, Peter Sodann, den selbst eigene Parteigenossen als ziemliche Pleite sehen?

Heiner Brand: Ich habe ihn schon einmal persönlich kennengelernt (lacht). Ja, ganz amüsant. Aber die Rolle als Bundespräsident kann ich mir bei ihm nicht vorstellen. Aber auch das ist nicht mein Problem. (Anna Giulia Fink, derStandard.at, 7.5.2009).