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"Simulieren von Töten" sei Paintball, es senke die Hemmschwelle für Gewaltanwendung, sagt die Koalition in Deutschland. Sie will PaintballSpiele noch vor der Sommerpause verbieten.

AP Photo/The Daily Messenger, Vasiliy Baziuk

Sollte FP-Chef Heinz-Christian Strache wieder mal Lust auf eine Ballerei mit Paintball haben - Deutschland braucht er nicht als Austragungsort ins Auge zu fassen. Denn dort will die große Koalition das Schießen mit Farbbeuteln im Zuge der Verschärfung des Waffenrechts verbieten.

"Paintball ist sittenwidrig. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben", sagt der Innenexperte der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz. Paintball, auch Gotcha genannt (von I got you - ich habe dich getroffen), stammt aus den USA und erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Dabei simulieren die Spieler in zwei Mannschaften eine Art Häuserkampf. Aus Luftdruckgewehren geschossen wird allerdings nicht mit echter Munition, sondern mit Farbkugeln. Diese können mit 200 km/h auf den Gegner treffen. Wie in Österreich sind Paintball-Spiele auch in Deutschland nur in eigens abgegrenzten Spielfeldern erlaubt, nicht aber im Wald.

Doch auch in diesem eingeschränkten Bereichen soll künftig nicht mehr geschossen werden. "Bei diesen sogenannten Spielen besteht die Gefahr, dass Gewalt verharmlost wird und hierdurch Hemmschwellen zur Gewaltanwendung abgebaut werden", heißt es in einem Papier, das die Innenminister der 16 Länder erarbeitet haben. "Der Gesetzgeber will das Simulieren von Töten verbieten", erklärt auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU). Wer dennoch weiter "schießt" oder Anlagen zur Verfügung stellt, dem drohen Strafen bis zu 5000 Euro.

Das Verbot ist eine Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden. In der baden-württembergischen Kleinstadt hatte am 11. März ein 17-Jähriger 15 Menschen getötet. Daraufhin beschloss die große Koalition das Waffenrecht erneut, wie schon nach dem Amoklauf von Erfurt 2004, zu verschärfen.

Weiters geplant: ein bundesweites, zentrales Waffenregister. Außerdem erwägt die Koalition eine biometrische Sicherung von Waffenschränken. Dann könnte nur noch ein Fingerabdruck den Waffenschrank öffnen. Im Gespräch ist auch eine "Schrottprämie" für illegale Waffen. Wer seine nichtregistrierte Waffe abgibt, entgeht nicht nur der Bestrafung, sondern könnte einen Einkaufsgutschein über 50 Euro bekommen. Die Polizeigewerkschaft schätzt, dass in Deutschland bis zu 20 Millionen illegaler Waffen gebunkert werden. Der Schütze von Winnenden schoss allerdings mit der registrierten Waffe seines Vaters. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD Print-Ausgabe, 08.05.2009)