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Kurzarbeit, Stillstände, Urlaubsabbau: Viele Unternehmen versuchen so, die Krise halbwegs unbeschädigt zu durchtauchen.

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Es geht fast nichts mehr. Kamen die Autozulieferer noch vor einem Jahr mit Liefern kaum nach, hat sich die Lage binnen weniger Monate total verändert.
Beispiel Continental. Der deutsche Reifenriese ist noch im April 2008 von 71 Mio. Stück Autos ausgegangen, die heuer weltweit gebaut würden. Im November, als die Krise schon spürbar war, haben die Hannoveraner die Erwartung auf 64 Mio. Stück reduziert. Gestern, Donnerstag, hat Conti-Chef Karl-Thomas Neumann bei einem Vortrag in Wien nur noch von 53 Mio. Autos gesprochen, die im heurigen Jahr vom Band fahren werden.

Alle betroffen

"Das ist eine Katastrophe, das trifft alle", sagte Miba-Chef Peter Mitterbauer, der am Donnerstag Zahlen zu dem Ende Jänner abgeschlossenen Geschäftsjahr 2008/09 vorgelegt hat. Dank der sehr guten ersten neun Monate konnte das auf die Entwicklung und Produktion von Gleitlagern und Sinterformteilen für die Fahrzeugindustrie spezialisierte oberösterreichische Unternehmen den Gewinn verbessern (siehe Bilanzzahlen Seite 18); heuer hofft man, gerade noch ein positives Ergebnis zu schaffen. Das nur dann, wenn das Geschäft nicht um mehr als 25 Prozent wegbricht.
Mit einem Geschäftsrückgang von rund einem Viertel im heurigen Jahr kalkuliert inzwischen die gesamte Zulieferbranche. "Anfang des Jahres sind wir von durchschnittlich 25 Prozent minus ausgegangen. Das hat sich inzwischen leider bewahrheitet", sagte der Vorsitzende der Arge Automotive Zulieferindustrie in der Wirtschaftskammer, Dietmar Schäfer, dem Standard.

Ende der Kurzarbeit in Aspern

Dabei müsse man aber differenzieren. "Wer stark Nordamerika-lastig ist und viel an GM liefert, ist ungleich stärker betroffen als andere", sagte Schäfer. Das Opel-Werk Wien-Aspern profitiere etwa vom guten Verkauf der Corsa-Modellreihe. Das wiederum sei zu einem Gutteil auf die Verschrottungsprämie zurückzuführen. In Aspern ist heute der letzte Tag der Kurzarbeit. Die Auslastung sei zufriedenstellend, heißt es. Zumindest bis Ende Juli gebe es genug Arbeit.
Miba-Chef Mitterbauer, der auch Aufsichtsratspräsident der Staatsholding ÖIAG ist, merkt in seinem Unternehmen von der Verschrottungsprämie nichts: "Der Anteil von Komponenten, die wir an die Autoindustrie liefern, ist in einem Prämiumauto ungleich größer als in einem Kleinwagen." Es seien aber vor allem kleinere Autos, die derzeit gekauft würden. Mitterbauer stellt sich darauf ein, dass die Flaute noch mindestens ein Jahr dauert. 400 der 1700 Miba-Mitarbeiter arbeiten kurz.
Von den knapp 57.000 Personen, die Anfang Mai österreichweit von Kurzarbeit betroffen waren, sind nach Angaben des Arbeitsmarktservice rund zwei Drittel dem Autozuliefersektor zuzurechnen. In der Branche sind rund 68.000 Mitarbeiter beschäftigt; sie haben zuletzt rund 18 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Heuer wird es deutlich weniger sein. Aber nicht alles ist tiefschwarz.

Keine Untergangsstimmung

Trotz der schwersten Krise seit Bestehen des steirischen Autoclusters (AC Styria) sei dort momentan "keine Untergangsstimmung" zu verspüren, sagte AC-Styria Chef Karl Pansy: "Natürlich ist nicht alles eitel Wonne, aber die Unternehmen haben ihren Blick schon auf die Zeit nach der Krise gerichtet und richten ihre Planungen danach aus." Der Fokus der Krisenbewältigung liege stark bei Investitionen in die Forschung und Weiterbildung der Mitarbeiter. Vereinzelt meldeten Betriebe Produktions- und Umsatzzuwächse, sagte Pansy - speziell jene Firmen, die neben dem automotiven Anteil auch andere Sparten bedienten.(Günther Strobl, Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.5.2009)