Helsinki - Die finnische Tageszeitung "Helsingin Sanomat" bezweifelt, dass der italienische Premier Silvio Berlusconi jemals eine finnische Holzkirchen besucht hat, wie sie gemäß einer jüngsten auf Finnland bezogenen Bemerkung des Regierungschefs in Italien dem Erdboden gleich gemacht worden wäre. Zumindest laut Recherchen der Zeitung hat Berlusconi niemals eine der in Frage kommenden Holzkirchen aus dem 18. Jahrhundert besucht.

"Helsingin Sanomat" zufolge kommen nur drei Holzkirchen in Frage, die Berlusconi mit seiner vor drei Tagen im Fernsehen getätigten Aussage gemeint haben könnte. Keine der drei sei jemals - weder im Außenministerium noch bei der konservativen Schwesterpartei - auf einem Besuchsprogramm Berlusconis gestanden.

"Verletzende Herabwürdigung"

Seppo Ojala, der Pfarrer des bekanntesten der drei Gotteshäuser, der Holzkirche in Petäjävesi bei Jyväskylä, forderte eine offizielle Reaktion Helsinkis auf Berlusconis "verletzende Herabwürdigung des finnischen Holzkirchen-Kulturerbes". "Helsingin Sanomat" versäumte nicht darauf hinzuweisen, dass die 1765 vollendete Kirche in Petäjävesi seit 1994 Teil des UNESCO-Kulturerbes ist.

Berlusconi hatte bei einem Besuch im Römer Rathaus am Mittwoch das Kulturerbe der antiken Hauptstadt gewürdigt und sich gleichzeitig über Finnland lustig gemacht, wo man ihm nach dreistündiger Anfahrtszeit stolz eine Holzkirche präsentiert habe, die in Italien wohl zerstört worden wäre.

Die jüngsten Bemerkungen Berlusconis - außer jener über die Holzkirche auch noch eine offenbar als Beschwichtigung gedachte, pauschale Liebeserklärung an alle volljährigen Finninnen - waren am Donnerstag Gegenstand zahlreicher Postings in den Internetforen finnischer Medien. Die dort vorgebrachten Meinungen reichten von "Italien den Krieg erklären" bis "Ich verstehe Berlusconi - die Organisatoren der Reise hätten verstehen müssen, dass ein derartiger Ausflug den Gast nicht besonders beeindrucken würde". (APA)