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Die Ausgangssperre dürfte die Möglichkeiten für Zivilisten weiter einschränken, aus dem Kampfgebiet zu fliehen.

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Washington/Islamabad/Peshawar - Pakistans Präsident Asif Ali Zardari hat angekündigt, den Kampf gegen aufständische Islamisten in seinem Land bis zum Erfolg fortzusetzen. "Der Einsatz geht solange weiter, bis die Normalität wiederhergestellt" ist, sagte Zardari nach US- Medienberichten am Donnerstag (Ortszeit) in Washington nach einem Treffen mit führenden US-Senatoren.

Pakistan hat seine Angriffe gegen Aufständische im an Afghanistan grenzenden Swat-Tal am Freitag weiter verstärkt und eine Ausgangssperre für die Region verhängt. Die Luftwaffe bombardierte in mehreren Ortschaften mutmaßliche Verstecke von Taliban-Milizen, wie ein örtlicher Armeesprecher sagte. In der Nacht waren pakistanische Bodentruppen in den Orten Matta, Kabal und Khawazakhela von den Extremisten beschossen worden. Mindestens neun Soldaten wurden nach Militärangaben vom Donnerstagabend bei Kämpfen getötet, sieben davon bei einem Hinterhalt in dem ehemaligen Skiort Mingora.

"Terroristen auslöschen"

Knapp zwei Wochen nach Beginn der Offensive gegen die radikal-islamischen Taliban rückte die Armee weiter Richtung Norden in das Swat-Tal vor. "Wir haben die bewaffneten Truppen angewiesen, die islamistischen Kämpfer und Terroristen auszulöschen", sagte der pakistanische Regierungschef Yousuf Raza Gilani am Donnerstagabend in einer Rede an die Nation. Ziel sei die Wiederherstellung der "Ehre und Würde unseres Heimatlands". Präsident Asif Ali Zardari sagte während seines Besuchs in Washington, der Militäreinsatz im Swat-Tal werde so lange andauern, bis wieder "Normalität" herrsche.

Um den Truppenaufmarsch zu erleichtern, verhängte die Armee nach Angaben eines Sprechers eine unbegrenzte Ausgangssperre vom Bezirk Malakand bis ins Swat-Tal. Der Sprecher machte keine Angaben über die Zahl der Soldaten, die in die Region geschickt werden sollten. Die Ausgangssperre dürfte die Möglichkeiten für Zivilisten weiter einschränken, aus dem Kampfgebiet zu fliehen. Bislang verließen mehr als 150.000 Menschen die Region. Augenzeugen bezichtigen sowohl die Armee als auch die Taliban, bei ihren Angriffen auch wahllos Zivilisten zu töten. 

"Ehre und Würde wiederherstellen"

Zuvor hatte Regierungschef Yousuf Raza Gilani in Islamabad den Beginn einer Offensive im Swat-Tal und den angrenzenden Gebieten offiziell bekanntgegeben. Die Sicherheitskräfte würden Militante und Terroristen "ausmerzen", sagte er in einer Fernsehansprache. Es gehe darum, die "Ehre und Würde" der Heimat wiederherzustellen.

Die pakistanische Armee hatte am Donnerstag Luftangriffe im Swat-Tal an der Grenze zu Afghanistan. Ziel war ein von den Aufständischen und dem Terrornetz Al Kaida betriebenes Ausbildungslager. Auch weitere Ziele in der Region seien angegriffen worden, teilte die Armee mit. Kampfflugzeuge hätten Bombenangriffe auf Stellungen der Taliban geflogen, anschließend hätten Kampfhubschrauber die Aufständischen mit Raketen beschossen. Auch Bodentruppen seien zum Einsatz gekommen. Zahlreiche Aufständische seien getötet worden, hieß es.

Kampf gegen Extremismus

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai und den US-Senatoren John Kerry und Richard Lugar unterstrich Zardari in Washington erneut die Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit im Kampf gegen die Extremisten. Pakistan und Afghanistan hätten erkannt, dass sie ihre Kooperation verbessern müssten, und seien entschlossen, die Aufständischen zu besiegen, so Zardari weiter. Allerdings sei der Extremismus kein lokales, sondern ein weltweites Problem. Bei einem Dreier-Gipfeltreffen mit Zardari und Karsai am Mittwoch in Washington hatte auch US-Präsident Barack Obama eine verstärkte Zusammenarbeit angekündigt.

Baldige Friedensverhandlungen

Der Nachrichtensender Dawn meldete am Donnerstag, die Regierung in Islamabad werde schon bald den Friedensvertrag mit den Taliban im Norden Pakistans aufkündigen. Dem Abkommen zufolge sollte in der Region Malakand - zu der Swat und weitere umliegende Distrikte gehören - das islamische Rechtssystem der Scharia eingeführt werden. Im Gegenzug sollten die Taliban ihre Gewalt einstellen.

Das Internationale Rote Kreuz wies auf die humanitäre Situation in der umkämpften pakistanisch-afghanischen Grenzregion hin. "Wir können die am schwersten von den Kämpfen betroffenen Regionen wegen der unbeständigen Lage nicht mehr erreichen", sagte der Chef der IKRK-Operationen in der pakistanischen Nordwest-Grenzprovinz, Benno Kocher. Immer mehr Menschen versuchen aus den Unruhegebieten zu fliehen, um nicht ins Kreuzfeuer zwischen Taliban und Armee zu geraten. (APA/dpa/AFP)