Es war zu befürchten. Papst Benedikt XVI. reist als "Pilger" nach Jordanien und Israel. Nach dem Heilige Vater einen gewissen Hang dazu hat, bei Auslandsreisen mit fragwürdigen Aussagen ins Fettnäpfchen zu treten, ist man jetzt unter Zugzwang: Vor allem der Besuch im Nahen Osten muss als Erfolg verbucht werden. Problembehandlungen stehen daher nicht im Reiseprogramm.

Aber gerade wenn ein Papst sich in das politische Spannungsfeld zwischen Israel und Palästina wagt, Teil der Schnittmenge zwischen Judentum, Christentum und Islam wird, ist es zu wenig, nur die Pilgerschuhe auszupacken. Benedikt XVI. hätte gut daran getan, als Oberhaupt der katholischen Kirche und als Staatsmann einzureisen - mit klaren Worten im Gepäck. Denn an Problemen im gegenseitigen Verhältnis mangelt es nicht: Da wären etwa der Holocaust-Leugner und Pius-Bruder Richard Williamson, die umstrittene Karfreitagsfürbitte im vorkonziliaren Ritus - von vielen als Aufforderung zur Bekehrung der Juden aufgefasst - und die Diskussion um Papst Pius XII. und den Holocaust.

Spannend wird vor allem, ob Benedikt XVI. zumindest am Montag in der Halle der Erinnerung in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem klare Worte finden wird. Eine kurzer Rückblick auf den Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz im Mai 2006 lässt die Hoffnung aber schwinden. Die Deutschen seien ein Volk "über das eine Schar von Verbrechern Macht gewonnen hatte", sagte Benedikt XVI. damals. Kein "Mea Culpa" - weder zum Antisemitismus der Kirche noch zur Rolle seines Vaterlands. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2009)