Zwei Frauen und ihre kleinen Töchter begegnen einander an einem sonnigen Tag am Strand. Beide haben existenzielle Probleme, und die Idee der Alleinerzieherinnen, sich zusammenzutun, scheint ein glücklicher Ausweg aus der jeweiligen Misere: Die verwitwete Afroamerikanerin Annie (Juanita Moore) wird Lora (Lana Turner) den Haushalt führen und auf die Mädchen aufpassen. Lora kann im Gegenzug ihre Karriere als Schauspielerin verfolgen und für den Unterhalt sorgen. Auf der Strecke bleiben Beziehungen und Gefühle.

Imitation of Life lautet der Originaltitel von Douglas Sirks letztem Kinofilm "Solange es Menschen gibt" (1959). Sirk, 1897 als Hans Detlef Sierck in Hamburg geboren, begann seine Laufbahn bei der deutschen Ufa. Unter anderem inszenierte er die dunklen Sehnsuchtsstücke Zu neuen Ufern und La Habanera mit Zarah Leander. 1937 gelang es ihm, sich ins Ausland abzusetzen, 1939 wurde ihm ein Vertrag mit Warner Brothers angeboten, und Sirk ging in die USA. Zunächst fungierte er als Studioregisseur, bei Universal entwickelte er jedoch allmählich in Kollaboration mit dem Kameramann Russell Metty oder Darstellern wie Rock Hudson ein eigenes Profil. Seine meisterliche Ausgestaltung der vermeintlichen Trivialform Melodrama in Filmen wie Magnificent Obsession (1954), All That Heaven Allows (1955) oder Written on The Wind (1956) wurde stilbildend. Filmemacher wie Todd Haynes oder François Ozon beziehen sich noch heute auf diese hellsichtigen Erzählungen, die im stilisierten Nachstellen von Leben mehr Wahrhaftigkeit erreichen als manch direkt auf Realität zielender Ansatz.

Arte zeigt den Film im Rahmen des Themenabends zum Muttertag. Wenn man jetzt in Straßburg noch lernte, zweisprachige OmU-Fassungen zu programmieren, dann wären nicht nur Mamas happy. (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.5.2009)